Bambuscamp 2 - Die Tätowierung - FilmFlausen.de
                          




Bambuscamp 2 - Die Tätowierung



Originaltitel: Tattoo (1978) Regie & Drehbuch: Cheung Pooi Saan
Darsteller: Tina Chin Fei, Ting Lu, Carren Hu FSK: ungeprüft


Willkommen beim Bambuscamp im Birkenwäldchen

“August, 1945. Noch immer halten die Japaner China besetzt. Hunderte von Frauen vegetieren zusammengepfercht in den lichtlosen Zellen der sogenannten Bambuscamps unter menschenunwürdigen Bedingungen dahin! Halbverhungert, gequält und gedemütigt dienen sie den Japanern als Versuchtstiere bei Testreihen zur bakteriologischen Kriegführung und als Nachschub für ihre Truppen-Bordelle!”

"... mit Kamille, Minze, Myrrhe
und Saaalbeeeiii!"
Dieser Pro(Mono)log, aufs Reißerischste verlesen von Hartmut 'Mr. Voice' Neugebauer himself, gibt uns bereits in den ersten Filmsekunden einen Einblick, in welchem Szenario wir uns befinden. Als Fortsetzung des Shaw Bros. Klassikers 'Bamboo Camp of Dolls' wird uns 'Bambuscamp 2' verkauft, vermutlich aber ohne ganz das Original zu erreichen. Die Story handelt von zwei weiblichen Gefangenen im oben beschriebenen Lager. Eine wird als Freiheitskämpferin festgenommen und beschuldigt die Andere, sie verraten zu haben. Die mutmaßliche Verräterin trägt irgendwo an ihrem Körper eine Tätowierung, die über das Versteck eines geheimen Goldschatzes Aufschluss gibt. Durch die täglichen Misshandlungen im Lager, denen alle Frauen gleichermaßen ausgesetzt sind, finden die beiden allmählich doch zueinander und lernen, sich zu vertrauen. Zudem kriegen sie unverhoffte Hilfe von der Obrigkeit... or do they?!

"Nee, also wenn sie ihre Karriere bei
uns hier im Bambuscamp ausbauen
wollen, dann müssen sie schon was
für ihre Figur tun. Wegtreten!"
Bei 'Bambuscamp 2' handelt es sich um einen jener asiatischen Exploiter, die (ähnlich wie z.B. 'Im Camp der gelben Tigerinnen') mehr Wert auf Plot und Figuren legen, als auf die Darstellung von Sex und Gewalt (an dieser Stelle ein trauriges: "Oooohhh"). Dennoch hat mich der Film in Sachen ’Women in Prison’-Fun, sowie auf der Action Ebene überrascht, da er doch mehr sleazige Goodies zu bieten hat, als anfangs erwartet. Vom irgendwie ulkigen ’Tittenknet Rape’ und den obligatorischen Cat Fights, bis hin zur fiesen Leichenverbrennung und Tod durch einen elektrischen Zaun lässt man hier nichts anbrennen (ihr entschuldigt das Wortspiel). Sogar eine gemeine Ameisen-Folter a la 'Ilsa - Haremswächterin des Ölscheichs’ ist vorhanden. Die Experimente, die an den Frauen im Labor durchgeführt werden, haben zwar einen eher cheesigen Charakter, passen aber gut in den Film und werden stimmig inszeniert. Und dass im Camp auch sämtliche dauergeile Aufseher über die weiblichen Neuankömmlinge rutschen (diese werden schon mit Sprüchen wie “Die Miezen sind da, los holt sie von den Karren runter!” ; “Wurde auch langsam Zeit, ich hab schon Sacksausen!” ; “Herrschaften, mir platzt gleich der Sack!” erwartet), gehört sowohl zum guten Ton als auch zum schlechten Geschmack, den ich bei einem ’Women in Prison’-Film voraussetze.

Proteindiät auf Ameisenbasis gone horribly wrong!

Die Camp-Atmosphäre wird teilweise durch den Score, das Licht und die Routine, mit der die Frauen ihr Schicksal ertragen (“Ich bin von acht ihrer Kameraden vergewaltigt worden. Auf einen mehr kommt es jetzt auch nicht mehr an.”) gut eingefangen. Das klingt jetzt möglicherweise etwas tragischer, als es wirklich ist. Obwohl der Film seine kleine Drama-Dosis hat, stehen eher Action und Abenteuer im Vordergrund, was dann auch gleich ein bisschen Spannung mit sich bringt. Zwar wird in den letzen 5 Minuten arg dick aufgetragen, so dass sich der Plot mit 10 Twists gegen Ende nicht unbedingt durchsichtiger macht, doch wird man immerhin mit Stock Footage Explosionen belohnt, die auch aus einem 'Godzilla'-Film stammen könnten.

"So und jetzt zweimal drehen und wer mit dem Löffel zuerst
auf das große Einmachglas mit der Salpetersäure haut,
der hat gewonnen und wird zum Küchendienst befördert."

Nachdem ich wegen einiger Kritiken von einem langweiligen Pseudo-Kriegsdrama ausgegangen bin, hat mich 'Bambuscamp 2' positiv überrascht und sich als brauchbarer und nett gemachter Film entpuppt. Die eine oder andere Gewaltszene (unachtsamer Wärter wird von den eigenen Leuten erschossen ; eine Gefangenen fällt von einer Klippe etc.) und eine nette Portion Sleaze unterhalten den gängigen Schmierlappen, während die Handlungsprogression (und ich bekomm' ne Gänsehaut dabei, dieses Wort bei diesem Review zu benutzen) das Ganze nicht banal werden lässt. Highlight ist übrigens auch die Synchro, die neben der bereits erwähnten Narration von Mr. Voice auch einen jungen Norbert 'Homer Simpson' Gastell als Aufseher serviert. Da kann man über ein paar Jumpcuts und fragwürdige Lippensynchro (jedenfalls in der deutschen Fassung) schon mal hinwegsehen. Kann man machen, muss man aber nicht.


Spooner