Vision der Dunkelheit - FilmFlausen.de
                          




Vision der Dunkelheit


‘He is dead... but far from gone.
And he's come back for his love child.’


Originaltitel: Bad Dreams (1988 Regie: Andrew Fleming
Drehbuch: Michael Dick, P.J. Pettiette, Yuri Zeltser, Andrew Fleming & Steven E. de Souza Darsteller: Jennifer Rubin, Bruce Abbott, Richard Lynch FSK: 18


“I say this to all of you, that this will be the ultimate joining!”

Richie Lynchs persönliche
Vergangenheitsbewältigung *
Wenn Richard Lynch solche Sprüche bringt und aus der Schöpfkelle Benzin auf die debil lächelnden Insassen einer Jonestown-mäßigen Kommune kippt, kann einem mit Recht angst und bange werden. Als schließlich auch das Streichholz gefallen ist, kommen die shiny happy people allesamt grausam ums Leben, mit einer Ausnahme: Die junge Cynthia rettet sich aus dem Inferno, fällt daraufhin allerdings in ein 13-jähriges Koma. Aus diesem erwacht wird sie gegen ihren Willen in eine psychiatrische Klinik gepackt, wo sie im Kreise anderer psychisch beeinträchtigter Kids geheilt werden soll. Dummerweise ist der behandelnde Oberarzt nicht nur auf Cynthias Genesung bedacht, sondern hat auch ein eigenes Süppchen am Kochen. Derweil plagen die Patientin grauselige Heimsuchungen durch den Geist des ehemaligen Sektenführers. Als immer mehr Patienten der Anstalt ums Leben kommen, weiß Cynthia, dass ihre Hallus auf konventionelle Art und Weise nicht geheilt werden können….

“Do you wanna live or do you wann die?”
“I wanna live!”
“Okay, then we’re in business!”

B. Abbott & J. Rubin, gebunden
durch den Eid des Hippokrates
Moment mal… ein Film über eine Gruppe jugendlicher Psychiatrie-Insassen um ein junges Mädchen, die in ihren Träumen von einem wahnsinnigen Massenmörder verfolgt wird, der Jahre zuvor verbrannte und jetzt einen nach dem anderen ins Jenseits befördert? Mit Jennifer Rubin? Namens Bad Dreams? Hmmmmm… Gebt mir ‘ne Minute. Ich komm schon noch drauf!
Alle ‘Nightmare 3’-Parallelen (und da gib es etliche) mal beiseite: Der von Gale Anne Hurd (‘Aliens’) produzierte und von Steven E. DeSouza (‘Stirb Langsam’) mitverfasste ‘Vision der Dunkelheit’ ist ein ziemlich saftiger Horrorspaß, der mit einigen recht versierten FX punkten kann (die Sektenbrutzel-Szene sucht meines Erachtens selbst heutzutage ihres Gleichen) und auch mal Blut aus der Klimaanlage regnen lässt.
Die Atmosphäre wird zwar vornehmlich durch solche Szenen, und weniger durch einen wahrhaftig schaurigen Grundton bestimmt, dafür gibt’s auf Seiten der Darsteller nur Positives zu vermerken. Jennifer Rubin (‘Screamers’), Bruce Abbott (‘Interzone’) und Harris Yulin (‘Ghostbusters 2’) führen mit soliden Leistungen durch den Film. Die Show stehlen hier jedoch Dean Cameron (bekannt als urige Flitzpiepe ‘Chainsaw’ aus dem Ferienjux ‘Summer School’) als selbstzerstörerischer Wirrkopf und Genre-Grimasse Richard Lynch * (‘Puppetmaster 3’), der dem psychopathischen Creep Harris sowohl durch die eigene fiese Mimik, als auch durch gelungenes Brutzelfressen-MakeUp, das nötige Maß an Unheil verpasst. Und schöne Haare hat er auch.

Welcome to the Funny Farm

‘Vision der Dunkelheit’ besitzt eine gewissen Verspieltheit, die mir bei solcherlei Filmen absolut zusagt. Man hätte den Film locker gegen die Wand fahren können. Zum Glück war ein Körper dazwischen, der dem Aufprall einen absurd blutigen Anstrich verpasste.



* Unglaublich makabere Trivia voraus: Nach einem LSD-Trip im Central Park anno 1967 zündete sich Richard Lynch tatsächlich selber an, was in seinen “speziellen Gesichtskonturen” resultierte. Ich verkneife mit an dieser Stelle einfach mal jegliche ‘Method Actor’-Witzchen (Lynch war Schüler von Lee Strasberg) und weise vor allem unsere jugendlichen Leser einmal mehr auf die Gefahren durch den Missbrauch von Drogen hin.


Hudson