Bad Biology - FilmFlausen.de
                          




Bad Biology


‘A God Awful Love Story’


Originaltitel: Bad Biology (2008) Regie: Frank Henenlotter
Drehbuch: Frank Henenlotter & R.A. Thorburn
Darsteller: Charlee Danielson, Anthony Sneed, Mark Wilson FSK: unbekannt




Frank Hennenlotter ist der David Cronenberg der Splatter-Comedy. Seine kultigen Achtziger Einträge ’Basket Case’ und ’Elmer’, sowie ’Frankenhooker’ von 1990 ließen ihre bizarren Protagonisten den menschlichen Körper auf Wegen entdecken, die bis dahin kein anderer Filmschaffender betreten wollte, konnte oder durfte.

Wartet auf die Erklärung!

16 Jahre nach dem eher durchschnittlichen (wenn dieses Wort überhaupt auf einen Henenlotter-Streifen anwendbar ist) ’Basket Case 3’ kredenzt uns der Meister des absurden Mutations-Vergnügens sein neustes Werk, ’Bad Biology’. Und das, meine sehr verehrten Damen und Herren, hat es in sich. In vielerlei Hinsicht.

“I was born with seven clits”, hören wir Protagonistin und Erzählerin Jennifer zu beginn des Filmes sagen. Es soll lange nicht die letzte unerhört abartige Bemerkung sein, die die Fotografin dem Zuschauer während ihres Dauerfeuer-Voice-Overs in den ersten 15 Minuten des Films ins Gehör bläst.

“I started menstruating, when I was five and my periods have never been normal. I bleed too much. And a five year old girl with blood streaming down her legs really freaked out my parents.”

Wartet ihr immer noch auf die Erklärung zu Bild 1?

Sexualität war schon immer eines der wichtigsten Themen für Henenlotter, aber was er bei ’Bad Biology’ auf das Publikum loslässt, sprengt alle Grenzen.
Keine fünf Minuten im Film, sehen wir Jennifer beim wilden Sex mit einem x-beliebigen Kneipenhengst. Sagte ich wild? Ich meinte ’Berserker’. Ihre Rage geht so weit, dass sie noch während des Höhepunkts den Kopf ihres Geschlechtspartners auf dem nackten Fußboden zerschmettert. Jennifer hat offensichtlich ein Sexproblem.

“Eight years old, at school, riding in my dads station wagon, dinner with my family. All I had to do was cross my legs a certain way, bounce a little too much on my bicycle or just play in the backyard and I would come. Numorous times.”

Und wenn ich ’Sexproblem’ sage, dann ist das die Untertreibung des Jahrhunderts. Denn der ungeschützte Geschlechtsakt hat Folgen, von denen ich mir sicher war, sie niemals in einem Film sehen zu wollen.

It's the one eyed kinda monster...

”But as my vagina evolved, my body has gone into overdrive. For instance conceiving, going into labor and delivering a baby in under two hours or something, was new for me. It’s something I found initially rather appaling. I mean, I can always take the usual precautions, but… though I don’t want any children, especially any of my freak babies, I love the feeling of something alive and kicking and pushing its way out of me. Sometimes it’s better then coming.”

Ja, ‘krank’ trifft es hier auch nur noch halb. Aber verlasst euch auf Frank Henenlotter, um diese abgrundtief perverse Grundsituation an der Nase herumzuführen und sie dem Zuschauer, mit den absurdesten Zutaten gewürzt, schmackhaft zu machen.
Denn kaum meint man zu wissen, worum es geht, stellt man uns den zweiten Protagonisten vor. Baatz ist ein verpeilter Tabletten-Junkie und hat, nicht zuletzt dank seines Medikamenten-Problems, einen Penis von unbeschreiblichen Ausmaßen. Und das Ding macht was es will. Um das gute Stück halbwegs unter Kontrolle zu kriegen, muss er sich den Schwanz zuweilen schon mal mit Panzertape an den Körper kleben und seine Befriedigung bekommt er nur noch von einem selbst gebauten, mechanischen Onanierhobel (words fail me, folks).

“I got a drug addicted dick with a mind of its own.“

Hello, my baby. Hello, my honey...

Auf gewisse Art und Weise erinnert ’Bad Biology’ an Takashi Miikes ’Ichi the Killer’.
Wo bei ’Ichi’ der ultimative Sadist und der perfekte Masochist zwei Schneisen der Verwüstung auf dem Weg zum Gegenpol einschlugen, sind es hier die heißhungrigste Muschi und der nimmersatteste Schwanz, die sich unaufhaltbar und ohne es zu wissen aufeinander zu bewegen. Ob sie sich tatsächlich ’bekommen’, sollte jeder für sich selbst herausfinden. Ich selbst denke immer noch darüber nach.
’Bad Biology’ ist Exploitation voller vulgärer Anblicke (Stichwort: Fotomodels mit Vagina-Gesichtern), abgedrehten Effekt-Aufnahmen, Popkultur-Referenzen (“She’s shakin her body, like she’s the fuckin Excorzist. Its like Linda Blair right in my fuckin’ linving room!”), ’Full Frontal Nudity‘ (at its fullest) und wird schließlich (so viel soll verraten sein) von einer Sequenz gekrönt, in der ein Schwanz (Stop Motion FX, Baby!) eine Weiber-WG auf die altmodische Art und Weise (und inklusive Schwanz-o-Vision POV) aufmischt.
Die Optik lässt das ‘gritty feel’ seiner alten Streifen zwar vermissen und unterliegt eher den Standards heutiger DTV-Produktionen, doch die Atmosphäre des Films ist Henenlotter pur. Für die musikalische Untermalung sorgt ein schmissiger Elektro-Score mit Hip Hop-Einlagen. Ebenfalls modern, aber passend.

“That’s disgusting! Vulgar and disgusting!“
“A vagina is not disgusting. A vagina is a work of art.”
“Not when it’s on a womans face!”

Doch, doch. Das ist Kunst!

Wer nie genug von abgedrehtem Body-Horror, schlechtem Geschmack und nackter Haut bekommen kann und der Meinung ist, dass Charlotte Roches ’Feuchtgebiete’ alle Grenzgänge zum Thema abgelaufen hat, der sollte sich an ’Bad Biology’ halten. Für leicht pikierte, nervenschwache, religiöse und moralische Gemüter ist dies der Film, der das Fass zum Überlaufen bringt und Schilder, Forken & Fackeln aus dem Keller holen lässt, um sich protestierenden Mobs anzuschließen. So doof das auch klingen mag: Dieser Film fickt Gehirne. Henenlotter, bleib am Ball!


Hudson