P.O.W. - Die Vergeltung - FilmFlausen.de
                          




P.O.W. - Die Vergeltung


‘The most daring escape’


Originaltitel: Behind Enemy Lines (1986) Regie: Gideon Amir
Drehbuch: Malcolm Barbour, James Bruner, Avi Kleinberger, John Langley & Jeremy Lipp Darsteller: David Carradine, Mako, Steve James FSK: 18


Vietnam, 1973.

David Carridine - So wollen
wir ihn in Erinnerung behalten!
Es kracht, es scheppert, es knallt, der Dschungel brennt, die Chopper heben ab, nur Colonel Cooper (David Carradine) bleibt zurück, genregerecht mit einem Kameraden auf der Schulter. Die Flucht misslingt und Charlie schnappt sich den Kriegshelden, der dafür bekannt ist, nie einen Mann zurückzulassen. Im Gefangenenlager beweist Cooper gegenüber dem örtlichen General Vinh (Mako) und auch den übrigen P.O.W.s (u.a. Steve James) Souveränität. Will sagen: Er lässt sich von den Misshandlungen des Bösewichtes nicht kleinkriegen und haut aufsässigen Kameraden eins auf die Nuss. Es dauert nicht lange, bis Vinh mit seiner eigentlichen Absicht herausrückt. Er hat im Laufe des Krieges genug Gefangenen deren Goldschmuck abgeklemmt, um damit eine Klunkerboutique zu eröffnen und plant nun, mithilfe von Cooper, sich selbst und seine Beute in Sicherheit zu bringen. Der Colonel willigt ein, jedoch nur unter seiner üblichen Bedingung: Keiner wird zurückgelassen.
Mit den missmutigen P.O.W.s, dem korrupten General und einem Goldschatz im Gepäck, macht sich Cooper zu einer halsbrecherischen Flucht durch den vietnamesischen Dschungel auf…

"Everybody goes home is a slogan. It’s not a religion."
"Speak for yourself."

Revenge of Mr. Knödelmann
It’s ’Cannon’-Time und Freunde US-amerikanischen Actionkinos der Achtziger wissen, dass mit diesem Namen Patriotismus-Sülze, B-Stars und Unmengen Krawall einhergehen. Der Originaltitel ’P.O.W. - The Escape’ beschreibt (ohne Interpunktion ausgesprochen) den Film auch irgendwie sehr passend. Los, sprecht es laut aus. Jetzt!
Anstelle von Stallone, Norris und ähnlichen Dschungel-Djangos dieser Ära durfte sich dieses Mal David Carradine (’Kill Bill’) austoben. Seine an Arroganz grenzende Attitüde mitsamt seinen Angebersprüchen ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Ich meine aber, dass das irgendwie genau sein Ding ist. Ihr wisst schon, die gleiche Art und Weise, mit der er schon Stallone bei ’Frankensteins Todesrennen’ einfach mal eine verpasst hat. He’s got the cocky down.
An seiner Seite wird wieder einmal Steve James (bürgerlicher Name Stephen Motherfucking James) als zweite Geige verheizt, dafür bietet Charles R. Floyd (der ärgerlicherweise nie in einem anderen Film zu sehen war) eine Glanzleistung als widerspenstiges G.I.-Arschloch. Mako als fiesen Vietcong General zu besetzen ist ganz in der Tradition vieler Dschungel-Actioner dieser Zeit, dem westlichen Publikum bekannte Asiaten als Finsterlinge zu kredenzen, seien sie nun sonderlich furchterregend oder eben auch nicht (siehe auch James Hong in ’Missing in Action’, Soon-Tek Oh in ’Missing in Action 2’ und George Takei in ’Zurück vom River Kwai’).

"You call me MR. JAMES!"
Die Darstellung des Bösewichts durch Conans ollen Zauber-Sidekick hält mühsam die Balance zwischen albernem Grinsehorst und bedrohlichem Diktatörchen. Man erwartet fast, dass er jeden Moment händewedelnd und grinsend ein "Let me tell you of the days of high adventure!" von der Lippe fallen lässt. Anstelle dessen hat er ein paar der absurdesten Sätze in petto, die je ein Vietcong Oberst vortragen durfte ("I have relatives in Miami Beach. Isn’t that interesting. We could be neighbours!")
Auch wenn der Film zwischendurch ein wenig an Fahrt verliert (im wahrsten Sinne des Wortes, denn die Herrschaften machen diverse Zwischenstopps, die den Fluss der Flucht und die erzählerische Dringlichkeit unterbrechen), gibt es kaum Langweile zu beklagen und hin und wieder sogar einige interessante Charaktermomente, die normalerweise in solcherlei Genre-Kost nicht zu finden sind. Die größte Stärke von ’Attack Force Nam’ (don’t you love it?) ist und bleibt jedoch die Action. Die kann sich zuweilen nämlich selbst mit Vorzeigewerken der Dekade messen. Neben den obligatorischen, aber fetzig inszenierten, Shoot Outs, gibt es hier jede Menge Vehikel-Stunts und einen waschechten Dropkick.

Oder wollen wir ihn lieber so
in Erinnerung behalten?
Wie sooft konnten es die Cannon-Fuzzis auch hier nicht unterlassen, patriotischen Schwulst zwischen die Zeilen zu packen. So ballert sich Carradine im Finale tatsächlich mit einer US-Flagge über der Schulter durch die gesichtslosen Gegnerhorden und wickelt sie letzten Endes um einen aufopferungsvollen Kameraden, der das Platoon mit einem Granatenbauchklatscher rettet.
Immerhin betreibt ’P.O.W.’ in einem wichtigen Punkt endlich einmal Aufklärung. Habt ihr euch nicht immer schon mal gefragt, was eigentlich mit den armen Schweinen passiert, die im Dschungel in eine dieser fiesen Buschfallen des Vietcong tapsen? Hier wird’s gezeigt! Ein immer noch zappelnder Flüchtling wird samt Falle (die Spitzen stecken ihm in den Rippen) auf der Ladefläche eines Trucks zurück ins Lager transportiert, um seinen Kameraden als warnendes Beispiel zu dienen. Dem armen Hund wird Colonel Coopers Devise "Everybody goes home." auch kein Trost mehr sein. Damit sind immer nur die Lebenden gemeint. Für den Rest gilt die alte ’True Romance’-Regel: ’Aus dem Dschungel kommst du nur im Sarg’.


Hudson