Atlantis Inferno - FilmFlausen.de
                          




Atlantis Inferno


‘Action Unlike Any This Side of "Mad Max" and "Rambo"!’


Originaltitel: Predatori di Atlantide, I (1983)
Regie: Ruggero Deodato Drehbuch: Tito Carpi & Vincenzo Mannino
Darsteller: Christopher Connelly, Gioia Scola, Tony King FSK: 18


Dass die Italiener in den 80er Jahren ohne Rücksicht auf Verluste einen Genre-Kappes nach dem anderen hingeschmoddert haben, ist bekannt wie Paris Hilton und berüchtigt wie ihr Schritt. Dass sich unter den etlichen Graupen auch einige Highlights trashigen Schundtums befinden, sollten filmophile Glotzeulen niemals aus den Augen verlieren. Und genau hier kommt als Paradeexemplar ’Atlantis Inferno’ ins (Bei)Spiel.

Vorsicht: Lochfraß!
Als ein gesunkenes Atom-U-Boot aus den Tiefen des Meeres geschleppt wird, löst die Bergung eine Kettenreaktion aus, die dazu führt, dass in unmittelbarer Nähe das sagenumwobene Atlantis auftaucht. Die Überlebenden der Bergungsstation werden von zwei netten Gangstern aus dem Meer gefischt, die mit ihrem Kutter gerade gen Horizont entwischen wollten, als der verlorene Kontinent samt Käseglocke aus den Fluten geflutscht kam. Auf dem Festland spielt sich derweil ein anderer Alptraum ab. Motorisierte Punkerbanden, die unter dem Einfluß atlantischer Macht stehen, terrorisieren und töten unschuldige Bürger unter der Leitung des mysteriösen Crystal Skull.
Als Mike und seine Begleiter festen Boden erreichen, finden sie eine vollkommen zerstörte, brennende Welt vor, in der die mysteriösen Motor-Freaks mit Terror und Gewalt jedes Anzeichen von Zivilisation hinfort gewischt haben. Ein gnadenloser Kampf um’s Überleben beginnt…

’Atlantis Inferno’ kommt als Genre-Mischmasch der besonders exploitiven Art daher. Es finden sich Elemente aus ’Mad Max’, ’Assault’, ’Night of the Living Dead’ und diversen Katastrophen-Filmen wieder, die so konsequent und verdammt fetzig verwurstet werden, dass man Regisseur Ruggero Deodato (jaja der Typ!) den Raubbau gar nicht übel nehmen kann.
Das verdankt der überraschte Zuschauer zu allererst der eigentümlichen Atmosphäre, die sich einerseits sicherlich aus dem Konzentrat der geklauten Ideen ergibt, andererseits durch feurige Action und stimmige Ausstattung bedingt ist.

Bringt eure Toten raus!
Da wird nach dem ersten Drittel in heißen Schusswechseln aus allen Rohren geballert, Molotov-Cocktails mit persönlicher Widmung verteilt und nächtliche Gassen mittels Flammenwerfer illuminiert. Das Erstaunliche hierbei ist, dass die Kulissen verdammt authentisch wirken. Brennende Häuserschluchten bei Nacht, karibische Endzeit-Stimmung am Tage, Lokalitätenwechsel im Minutentakt und es fetzt, wohin man schaut. Überall kommen neue Gestalten hinter Büschen und Häuserfassaden, aus Sumpflachen und Gullilöchern hervorgeschnellt, zücken Macheten, Pfeil und Bogen, Maschinengewehr und scharfe Stöcke, nur um kurz darauf von unseren Helden gnadenlos niedergemäht zu werden.
Dass bei der ganzen Sache auch schon mal der gleiche Stunt aus unterschiedlichen Perspektiven als neu verkauft wird, kratzt Trashfans wenig. Die bekommen hier sowieso alles, was ihr Herz zum Pumpen bringt. Inklusive heißer Sprüche (“Hallo Washington. Wie geht’s?” ”Keine Ahnung. Ich heiße Mohammed!” “Ach, der hat mal wieder seine religiöse Krise.“), Straßen-Vehikeln die aufgebrezelt sind, wie Mutters Selbstgebackener und einem Atlantis, das sich als kleiner Waldstreifen im Wasser herausstellt, der Helikopter magnetisch anzieht.
Die Darsteller sind solide Haudegen. Christopher Connelly (’The Riffs’) legt eine akzeptable Survival-Helden-Performance auf’s apokalyptische Parkett, Bruce Baron (’Söldnerkommando 2’) glänzt bzw. glitztert (im wahrsten Sinne des Wortes) als Bösewicht unter einer transparenten Billig-Grusel-Plastehaube.
Gespart wurde auch bei der Synchro. Herrlich, wenn Tony King (’Jäger der Apokalypse’), in der deutschen Fassung von Tommy Piper gesprochen, eine Androhung gegen den Feind brüllt, sein Gewehr abfeuert und das “Aaarrrghh!“ des getroffenen Gegeners ebenso deutlich von Piper vertont wurde. Und das passiert verdammt oft.
Die abgedrehte, durchaus passende Musik des Streifens (vor allem der eingängige Titeltrack “Falling falling, Black Inferno!“) stammt aus der Feder der Oliver Onions, den Zwiebelsängern aus den Spencer & Hill-Meisterwerken.

“Diese Fachidioten. Grosse Klappe und auf den Mond fliegen aber wenn der Wasserhahn tropft, wissen sie nicht weiter!“

Mist... ich merk grad, dass die Bilder hier
dem Film in keiner Weise gerecht werden!

’Atlantis Inferno’ ist eine dieser seltenen Perlen, die aus den stinkenden Muscheln des italienischen Schund-Kinos der 80er aufstiegen, um trashfesten Genre-Fans den Tag zu versüßen. Es ist immer noch Schund. Aber ich komme einfach nicht umhin, das Ding zu empfehlen. Es ist laut, grob, nie langweilig und es knallt durchweg!

Hudson