Astrocop - FilmFlausen.de
                          




Astrocop


‘Two Worlds About To Collide And Only One Man Can Save Them.’


Originaltitel: Lunarcop (1994) Regie: Boaz Davidson Drehbuch: Terrence Paré
Darsteller: Michael Paré, Billy Drago, Walker Brandt FSK: 18


Graumelierter Zirkusuniform-Hoschi von der Mondregierung: “Meine lieben Mitbürger. Es haben sich Ereignisse ergeben, die unser Leben verändern werden. Sie wissen, wir haben in den letzten Dekaden nie die Hoffnung aufgegeben, zu unserer geliebten Mutter Erde zurückzukehren. Der 5. Weltkrieg hat aus dem Planeten Erde Ödland gemacht. Aber ich bin froh, ankündigen zu dürfen, dass unsere Wissenschaftler eine Substanz gefunden haben, die Erdatmosphäre zu reaktivieren.
Die lieben Mitbürger des Mondes: “Murmelmurmel“ “Großartig.“ “Toll.“ “Murmelmurmel.“

Hmm, schon schön, wenn man endlich zurück in die Heimat darf. Zu dumm nur, dass dort mittlerweile die in Endzeitfilmen allseits beliebten ’Terrorbanden in schrillen Outfits’ ™ auf heißen Öfen durch die Wüste ridern, armen Siedlern das Fleisch vom Grill klauen, rumballern, vergewaltigen und sich insgesamt ziemlich daneben benehmen.

Daher auch das Sprichwort:
'Subtil wie ein Astrocop'
Wie es der Zufall will haben diese ’Extremisten’ genannten Rowdys sogar die Technologie, auf den Mond zu reisen und sich die anfangs angesprochene (scheinbar in Stückzahlen begrenzte) Substanz ’Amarant’ zur Rettung der Erde unter den Nagel zu reißen. Sie schleppen das Zeug zurück ins Ödland, was der Mondregierung großes Kopfzerbrechen bereitet, denn “Wer das Amarant freisetzt hat die Macht über die Wilden.“ Wieso und warum und was das überhaupt bedeutet wird nicht näher erläutert. Aber Protagonist und Astrocop Joe Brody (Michael Paré) wird seinen Auftrag, das Amarant zurückzuholen auch nicht hinterfragen, schließlich gehört er zur Exekutive und nicht zur Hinterfragezutive. Auf der Erde angekommen, dauert es nicht lange, bis Brody in die Gesellschaft des üblen Höllenreiters Kay (Billy Drago) und seiner Bande gerät, die der friedlichen Wasteland-Community um die hübsche Thora den Tag vergrätzen…

Aufmerksame Leser haben es vielleicht schon bemerkt: Bei ’Astrocop’, auch bekannt als ’Solar Force’ und ’Lunarcop’ (ja wie, ja wat, ja wie denn nu?), handelt es sich nicht etwa um einen Weltraum-Actioner, sondern um ein preiswertes Endzeitfilmchen mit jeder Menge Rumms und leicht abgewandelter Ausgangssituation, die sich nach zehn Minuten ’Mondbasis für Arme’-Kladderadatsch eigentlich auch schon gegessen hat.
So sind anfangs wissenschaftlich angehauchte Themen-Sets auch nur durch dauerhaft wiederholte, beschreibende Dialoge auszumachen (beispielsweise: “Sie wollen das Labor einnehmen.“ “Das ist ein Labor, Leute.“ etc.), nicht etwa durch die Einrichtung, die von der Resterampe eines Billigbaumarktes zu stammen scheint.

Michi mit der Wumme
Ein Budget stand hier scheinbar nur im weitesten Sinne des Wortes zur Verfügung. Den Titelhelden sieht man beispielsweise nie auf seiner Reise vom Mond zur Erde, sondern blendet von der Mondstation direkt zum in der Wüste bikenden Astrocop. Vielleicht war’s ja ein Spacebike.
Michael Paré legt den von ihm (aus ähnlichen Schinken der Marke ’Carver’s Gate’ oder ’Proxima Centauri’) bekannten leeren Blick an den Tag und zeigt einmal mehr, wo Darsteller landen, die von der Charisma-Vakuum-Krankheit befallen sind. Während die eher unbekannte weibliche Hauptdarstellerin Walker Brandt mit weiblichen Reizen und dem komödiantischen Höhepunkt des Filmes (“Joe, du bist vom Mond?“) aufwarten kann, fuchtelt sich Schauderschaule Billy Drago (’Die Unbestechlichen’) in bester ’Ich grinse, also fiesel ich!’-Tradition durch den Staub. Ich warte bis heute noch vergeblich auf den Tag, da Drago als liebender Familienvater in Erscheinung tritt (nein, das ’Hills have Eyes’-Remake zählt nicht!)
Nichtsdestotrotz steht hier vor allem die Action im Mittelpunkt und die ist mit all ihren Schießereien, Kloppereien, Verfolgungsjagden und Explosionen (am Ende hat’s dann sogar einen Killer-Cyborg mit demolierter Nutella-Gusche) tatsächlich solide in Szene gesetzt, wenn auch von dämlichen Klischee-Montagen und plumpen Twists unterwandert. Die musikalische Dominanz teilt sich ein putziges Steeldrum-Thema (kenn ich das nicht aus ’True Romance’?) mit dem üblichen Terror aus dem Syntheziser.

“Ich habe ein Mädchen wie sie noch nie kennen gelernt.“
“Wieso denn?“
“Ich weiß es nicht.“

Der tödliche Nebelwerfer im Einsatz

Fazit: Alles auf Action, wenig auf Ausstattung und gar nichts auf Darsteller und Handlung. Wenn ihr mit solch einem Blatt spielen könnt, dann rein in die Endzeit und hoch die Tassen. Die fangen den Regen auf. Ja, ich habe gerade das Ende gespoilt.


Hudson