Asphalt Kannibalen - FilmFlausen.de
                          




Asphalt Kannibalen


‘In the jungle, or in the the city, still they must EAT!’


Originaltitel: Apocalypse domani (1980) Regie: Antonio Margheriti
Drehbuch: Antonio Margheriti & Dardano Sacchetti FSK: ungeprüft
Darsteller: John Saxon, Elizabeth Turner, Giovanni Lombardo Radice


Welcome to fuckin NAM!

Ich weiß nicht, ob ich’s euch schonmal erzählt hab. Aber damals in Vietnam… das war kein Zuckerschlecken, Leute. Das war mehr was für Fleischfresser. Um genau zu sein: Kannibalen!
Ganz recht, nachdem zwei G.I.s vom Vietcong in den ungemütlichen Bambuskäfig gepackt wurden, mussten sie sich ja früher oder später mit dieser fiesesten aller Seuchen anstecken: Kannibalismus! Sagte ich ja bereits. Wären Bukowski und Thompson bloß nie gefunden worden. Doch Captain Hopper (John Saxon) und sein Platoon räuchterten Charlie und seine Strohhut-tragenden Kumpane aus und befreiten die beiden Menschenfresser, nicht jedoch, bevor einer von ihnen dem Captain in die Pfote beißen kann. Resulutat: Eingeschmuggelter Kannibalismus in den U.S.A. Zunächst scheint alles normal, doch als Bukowski, frisch aus der Nervenheilanstalt entlassen, im Kino eine Dame anknabbert und nach einer Verfolgunsjagd (irre!) ein paar Leute über den Haufen knallt, wird er nach einer Belagerung durch die Polizei wieder in die Klapse gesteckt. Zu dumm, dass es ihm vorher gelang, einem Beamten und später einer Anstalts-Ärztin in die Hand zu beißen. So nimmt die Kannibalismus-Epidemie langsam aber sicher ihren Lauf und auch Captain Hopper wird zum Captain Happer…

"Ey Leute, seid mal Kumpel und schickt einen Kameraden hier runter."

Vietnam-Heimkehrer-Kannibalen rasten in der Großstadt aus…
Leave it to Anthony M. Dawson aka Antonio Margheriti to pull that shit off!!!
Nehmt’s mir nicht übel, aber ich mag die Idee, die diesem (leider nicht zu Ende gedachten) Film zu Grunde liegt. Ich mag sie wirklich sehr. Irgendwo zwischen ’Rambo’, ’Taxi Driver’ und ’Zombies im Kaufhaus’ poltern die ’Asphalt Kannibalen’ durch das italienische Amerika, futtern sich von einem Opfer zum nächsten und stellen sich dabei alles andere als zimperlich an. Margheriti (’Der Commander’) übertreibt es zwar nicht mit der Blutsuppe und dem Gekröse, doch ist ’Asphalt Kannibalen’ sicher nichts für schwache Nerven. Nebenbei ist der Film auch sleazig². So wird im Action-Kino erst einmal ein Nümmerchen geschoben und John Saxons Charakter hat eine sexuelle Affaire mit der (minderjährigen?) Nachbarstochter (“Mr. Hopper. Ich wollt ihnen nochmal sagen, dass ich echt Spaß dran hatte. So schön hat mich noch nie einer gebissen!“)

Dabei wollte er doch nur mal abbeißen...

Leider konnten sich die Macher nach dem gelungenen ersten Drittel nicht recht entscheiden, was sie wollten. Zuerst wird zu viel Zeit bei der anfänglichen Belagerung des Kaufhauses (nette Anspielung) benötigt, später konzentriert sich der Film dann auf die Schießereien der eher ’zivilisierten’ Protagonisten. Nun sind um sich ballernde Kannibalen vom ’Zivilismus’-Begriff natürlich weit entfernt, doch hätte ich mir ein wenig mehr Rage oder Tollwut im Stil von ’Rabid’ oder ’Blood Suckers’ gewünscht. Statt dessen gibt es Verfolgungsjagden mit der Polizei, Shoot-Outs mit einer Gang und Gehetze durch die Kanalisation, die an die ’guten, alten’ Nam-Zeiten erinnern. Action und Krawall ohne Frage und auch mit dramatischem Schluss, doch war es das nicht, was ich in meinem jugendlichen Leichtsinn von ’Asphalt Kannibalen’ erwartet hatte.
An den Darstellern gibt es nicht viel zu mosern. John Saxons ’Hopper’ ist nicht die ausgeklügeltste aller Hauptfiguren und als Musik dienen auch nur die Genre-üblichen Synthie-Themen, aber immerhin lehrt uns der Film, dass man eine Tränengas-Granate ganz einfach durch Draufpinkeln ’löschen’ kann.

Zitat: “Sie sind in einen Kanal-Einstieg verschwunden!“
“Da gehören sie hin: Asche zu Asche und Scheiße zu Scheiße.“

Fazit: ’Asphalt Kannibalen’ ist ein zweischneidiges Schwert. Die Grundidee ist toll, doch ab der Hälfte verliert’s den Biss und hat einen Schuss zuviel. Mehr Kannibalen, weniger Asphalt, die Mische hätt’s gemacht. Fans des italienischen Schlock-Kinos der Siebziger und Achtziger Jahre können diesen obskuren Genre-Zwitter jedoch beruhigt antesten.


Hudson