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Jason und die Argonauten


‘The epic story that was destined to stand as a colossus of adventure!’


Originaltitel: Jason and the Argonauts (1963)
Regie: Don Chaffey Drehbuch: Beverley Cross, Jan Read & Apollonious Rhodios
Darsteller: Todd Armstrong, Nancy Kovack, Gary Raymond FSK: 12


Wie beginnt man ein Review zu einem Film, den man schon als Rotznase gekannt und geliebt hat? Da erscheint doch ein Zitat angebracht...

"Die Götter haben sich von dir abgewandt, Pelias. Sie gewähren dir keinen Schutz mehr, auch nicht vor dem Mann, der mit einer Sandale kommen wird um dir den Thron zu entreißen!" Sandale? FOLGT DER SANDALE!!! ööh... falscher Film ;-)

Da fliegt 'n karierter Emu!

Jason, seines Zeichens Spross eines Königs, will seine ermordeten Eltern und Geschwister rächen sowie seinen rechtmäßigen Platz auf dem Thron von Thessalien zurückerobern. Pelias, noch unerkannt von Jason wiederum versucht ihn loszuwerden indem er ihn auf die scheinbar aussichtslose Suche nach dem goldenen Vlies schickt. Hilfe bekommt er dabei von Göttermama Hera höchstpersönlich, die ihm 5 mal den Arsch retten darf (weil Big Boss Zeus das erlaubt hat). Flugs werden also ein paar Männer angeheuert und ein Schiff, genannt Argo, gebaut, und ab geht's in die Wellen. Unter den Männern befindet sich übrigens auch ein gewisser Herakles, hier leider dargestellt von einem etwas moppeligen, bärtigen Schrank namens Nigel Green mit schwingender Fönwelle... ziemlich unpassend. Dann lieber nen eingeölten Reg Park oder Steve Reeves.

Verdammt, es ist Talos!
Ist Tokyo alarmiert?
Die erste Pinkelpause führt unseren Helden direkt auf die Insel... äh... hab ich vergessen, jedenfalls die Ex-Insel von Hefaistos, dem Götterschmied. Dort darf nix angefasst werden, was nicht nach Nahrung aussieht. Herakles, nebst seinem neuen Sidekick Hylas, sieht das aber anders, und versucht ’ne Mega-Titanen-Haarspange mitgehen zu lassen, wodurch direkt der Titan Talos zum Leben erweckt wird und Jasons Männer dezimiert. Dank einer kleinen Denkhilfe von Hera kann Jason dem Bronzeriesen den garaus machen, bzw. ihm den Stöpsel ziehen.
Der Talos-Szene wurde übrigens zu einem späteren Zeitpunkt auf grausamste Weise Tribut gezollt, und zwar in Star Crash - Sterne im Duell. Da gibt's gleich mehrere äußerst holprige Harryhausen-Hommagen...
Man bricht auf nach Fylgien (oder so), zu Finäas dem Geblendeten. Der muss nämlich, weil Zeus dessen Nase nicht passt, sein Dasein als Blinder fristen, dem zu allem Überfluss das Futter ständig von 2 garstigen, geflügelten Dämonenweibern weggefressen wird, den Harpyen! Als Bedingung für die Information - der Weg nach Kolchis - müssen Jason und seine Mannen Finäas von den Flatterviechern befreien.

Endboss geplättet!
Wieviele Punkte gibt das wohl?
Danach geht's direkt weiter durch ungemütliche Meerengen und bröckelnde Felsen, die mit Hilfe von Poseidon himself, auch überwunden werden können. Dann wird noch flugs Medea, die Tochter Aetes', des Königs von Kolchis, aus dem Teich gefischt und ab geht's zum Endspurt. In Kolchis angekommen scheint der Empfang zunächst friedlich, aber durch den Verrat von Arkastos (Pelias' Sohn) landet Jason mitsamt seinen Begleitern rappenzapp im Kerker. Dort werden sie direkt von Medea wieder rausgehauen und weiter geht's zum goldenen Vlies. Auch Arkastos, der Verräter, hat's probiert, ist aber kläglich an der schrecklichen Hydra gescheitert. Doch unser All-Hellas-Hero Jason fuchtelt furchtlos mit seinem Gummischwert vor der Hydra rum, wird gepackt, zu Boden geschleudert und rammt ihr dann seinen Gladius in die Rippen. Aus. Vorbei. Tot ist eins der schönsten Monster aus dem Harryhausen-Universum. Die Hydra wird hier übrigens mit nur 7 der eigentlich 8 mythologisch korrekten Köpfe dargestellt.

Heute gibt's McRib ... am Spieß!
Nicht etwa weil Meister Harryhausen den 8. Kopp vergessen hat, nein, es war einfach nicht genug Budget da um noch einen Kopf zu animieren. Well, da kann man drüber hinwegsehen wenn man bedenkt, dass die Hydra ursprünglich zum Herkulesmythos gehört... bei Jason ist's eigentich "nur" ein Drache (mythologisch etwas korrekter geht's übrigens bei dem TV-Film "Jason und der Kampf um das goldene Vlies" zu. Tricktechnisch kann der sich auch sehen lassen, nur leider kommt es bei den knapp 175 Min. zu ein paar Längen). Genug abgeschweift. Es geht dem Finale Furioso entgegen, dramaturgisch sowie effekttechnisch. Die Szene in dem Jason und seine Männer gegen eine Horde von Skeletten kämpfen ist quasi Harryhausens ehrgeizige Übertreffung seiner Jahre vorher gedrehten Duellszene zwischen Sindbad und einem Skelett. Ich liebe diesen Kampf.
Jason und die Argonauten wurde seinerzeit eher stiefmütterlich behandelt. Die Leute hatten einfach genug von Filmen mit Männern in Fellschürzen und Tunikas. Auch der Oscar für die Spezialeffekte ging nicht an Jason (der ihn mehr als verdient hätte) sondern an einen anderen Monumentalschinken (ich glaub' Cleopatra war's) für dessen Matte-Paintings.

Die Zahnfüllungen der Hydra sind angepisst!

Fazit: Jason und die Argonauten ist wahnsinning unterhaltsames Fantasy/Sandalenkino mit saugeilen Tricks, grausamen Frisuren, viel Stoff, viel Holz, viiiieeel Knetmasse, Draht und Stahlgelenken, guten Schauspielern blablabla. Bunt ist der Film und granatenstark!


Goatscythe