Amok Train - FilmFlausen.de
                          




Amok Train


‘Fahrt ins Nichts’


Originaltitel: Beyond the Door III (1989) Regie: Jeff Kwitny
Drehbuch: Sheila Goldberg
Darsteller: Mary Kohnert, Bo Svenson,Victoria Zinny FSK: 18


Klassenfahrt nach Jugoslawien, da lacht das Herz des Romanisten.
Die amerikanische Schulklasse um Beverly, einzelgängerische Jungfer mit Balkan-Herkunft, ist auch zunächst ganz angetan. Und wer beim letzten Satz genau aufgepasst hat und genre-technisch die Hosen nicht mit der Kneifzange montiert, der ahnt sicher, wo das hier hinführt.

Ganz recht, Freunde... Laubgesänge des Grauens!

Im Lande der Nebelschwaden und Laubhaufen angekommen, erwartet die Bande schon ein verrückter Professor mit Ziegenbart (Bo Svenson als verrückter Professor mit Ziegenbart), der freundlich tut, aber offensichtlich sinistre Absichten hegt (Ziegenbart!). Das tatsächliche Ziel, eine Ansammlung von schrägen Hütten und noch schrägerem Volk (finstere Hutzelmännchen und fiese Kornmumen), wird zur Todesfalle für die Youngster, als ein Feuer ausbricht, die Dorfbewohner aktiv aggressiv werden und als letzter Ausweg der Aufsprung auf einen vorbeifahrenden Zug winkt. Yeah, you read that right.
Jener Zug, so merken Protagonisten und Zuschauer bald, ist vom Teufel besessen. Der hat sich nämlich Beverly als Braut ausgesucht (der Teufel, nicht der Zug, aber das kommt aufs Selbe raus) und wemst alles um, was ihm in die Quere kommt. Und wenn’s ihm gerade passt, macht er sogar einen Umweg, hüpft von den Gleisen und rauscht durch ein Moor, um zwei Nachzügler-Studniks zu plätten. Nein, ich scherze nicht.

Jan de Bont hätte ’Speed’ und ’The Haunting’ kreuzen, und ’Der Zug, der nicht langsamer werden durfte’ draus machen können. Jetzt scherze ich.

Bo Svenson als Graf Qual

Regisseur Jeff Kwitny (’Iced - Der Tod auf Skiern’) geht die Sache ganz ähnlich an. Die Mischung aus Katastrophen-Film (komplett mit Modelleisenbahn-Sets und jugoslawischem Offiziellen, der in einer Nebenhandlung das Desaster zu managen versucht) und Okkult-Horror (komplett mit sinnfreiem Initiations-Kill von Beverlys Mutter durch einen Stahlträger, Omen-Style) hat was für sich, bietet zwischendurch ein paar heftige Gore-Granaten, und punktet in den Off-Rail-Szenen dank schauriger Atmosphäre. Mit zauseligen, Nebelschwaden-furzenden Satanisten-Rednecks, die zum Takt des Teufels die Kling-Klang-Hölzer schütteln, ist nicht zu Spaßen.

Jaaa, das is'n Set. Aber es funktioniert.

Der Einfluss von Produzent Ovidio G. Assonitis macht sich bei ’Amok Train’ durchaus bemerkbar. Der Genremix-Spezi (’Piranha 2’, ’Supermänner gegen Amazonen’, ’Flash Fighter’) brachte den Film in Amerika als dritten Teil der ’Beyond the Door’-Trilogie auf den Markt, drei Filme, die nichts miteinander zu tun hatten. Seht ihr, Kinder: Das wurde nicht nur von deutschen Verleihfirmen praktiziert.
Wer sich mit holprig gemischtem Sparten-Kino, Bo Svenson als Sastanisten-Prof (mit Ziegenbart) und dem schwachen Finale arrangieren kann, der sollte ruhig ein Ticket für den ’Amok Train’ lösen. Zuweilen funktioniert diese Balkanese-Blankenese nämlich wirklich ganz gut.


Hudson