Im Reich der Amazonen - FilmFlausen.de
                          




Im Reich der Amazonen


‘Die Mächte der Finsternis dürfen nicht siegen...’


Originaltitel:Amazons Regie:Alex Sessa
Drehhbuch: Charles Saunders
Darsteller: Mini Miller, Penelope Reed, Joseph Whipp FSK: 18


Hallo, liebe Filmfreunde und willkommen zum Bausatz-Workshop ’Fantasy Film’.
Nachdem wir in den letzten Lektionen bereits die Konsumierung solcher Schinken geübt haben, wagen wir uns heute selbst an die Erschaffung einer echten Sandale heran. Da wir viel gelernt haben, werden wir unser Wissen weise und mit Hilfe kleiner Abweichungen des Bekannten anwenden.

Genau so verschwommen ist auch die Story.

Man nehme ein Dorf (nennen wir es ’Imbissi’), einen Bösen Zauberer (den nennen wir Calungo) und dessen üble Armee und stelle ihnen eine handvoll knapp bekleideter Amazonen (diverse Fantasynamen) entgegen.
Da wir nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen wollen, nehmen wir uns ein wenig Zeit für die Vorbereitung. Dann ist der Schock darüber, dass der böse Magier Wantango das Dorf angreift, umso heftiger. Selbstverständlich muss er finstere Vasallen haben. Wir kleiden sie in flotte Fetzen und nehmen uns einen heraus, der besonders böse ist. Dem rasieren wir den halben Schädel und packen ihm etwas Knete auf’s Auge, das muss reichen.
Natürlich muss noch ein magisches Dingsbums mit in den Streifen, ganz wichtig. Ein heiliger Stein macht sich da gut. Ja, ein Stein, der von den knapp bekleideten Amazonen bewacht und vor den drohenden Invasoren an einen anderen Ort (X) gerettet wird.
Wir begleiten sie auf ihrer Reise, jedoch nicht, bevor wir den bösen Magier Columbo einen bösen Satz sagen lassen, etwa: „Ihr habt diese Stadt erobert und nach altem Recht dürft ihr nun plündern und brandschatzen.“ Und dann zeigen wir das auch noch kurz.
Ort X nennen wir ’Baum der Seele’, sowas kommt immer gut (auch bei Frauen). Dort trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen und es kristallisieren sich zwei bis drei Hauptdarstellerinnen heraus, die über Punkt Y zu Ort Z gelangen müssen, um WAS zu besorgen, um den fiesen Zauberer Umbobo zu töten? Na? Ja, bitte, der Herr mit Brille, dahinten! Sehr gut: Ein magisches Schwert.

Das verkraften ihre
Fingernägel nie!
Am besten nehmen wir eine Amazone mit großen und eine mit mittelgroßen Brüsten. Um das ganze mit einem Touch von ’Kabale und Liebe’ anzureichern, packen wir noch eine Verräterin hinein. Diese hat, sagen wir, einstmals die rechte Hand verloren (DAS kommt gut! George Lucas benutzt das ständig!), weil die Mutti der Dame mit den größeren Brüsten ihr da mal reingebissen hat (oder so). Jetzt will sie natürlich Rache und wir verbinden das prima mit dem anderen Plot, indem wir aus der Begleiterin ihre Tochter machen, die nach erfülltem Auftrag ihre Konkurrentin (wir erinnern uns, die andere hatte größere Brüste) töten soll. Was? Die Verräterin braucht noch einen dramatischen Fantasynamen? Ja gut, dann nennen wir sie Tschingi! Gerade fällt mir noch ein, dass sie mit Zauberer Mulungo gemeinsame Sache machen könnte. Ja, wir bauen auch noch eine Sexszene mit den beiden ein. Das (exzessive) Liebesspiel zwischen einer Frau mit Plastehand und einem älteren Herren mit Glatze und Rauschebart wird beim Publikum bestimmt der Renner. Im Anschluss ist optional folgender Dialog einzufügen: „Bin ich deiner würdig, Fandango?“ „Ja.“ „Was macht denn dein Löwenmädchen?“ „Es jagt…muahahahahahahahaha!“.
Hatte ich etwa vergessen, das Löwenmädchen zu erwähnen. Ganz klar, das muss rein. Da nehmen wir einen Löwen und dann gibt es da diese neue Erfindung, nennt sich Morphing. Da werden etliche Bilder vom Computer zusammengefügt, so dass es wie eine echte Verwandlung aussieht. Das mit den ’etlichen’, das muss ja nicht sein. Wir nehmen vier. Ich glaube, ich kenne da einen, der noch Archivaufnahmen von einem brüllenden Löwenkopf hat (bestimmt stört’s auch keinen, dass im Hintergrund ein Dschungel zu sehen ist, obwohl die Szene in einer Burg spielt). Fertig ist das (natürlich nackte) Löwenmädchen.
A propos nackig. Unsere Amazonen baden in der nächsten Szene dann textilfrei im See, und haben leider auch keine Zeit, sich für den folgenden Kampf zu bekleiden.
Na und des weiteren gibt’s natürlich auch einen fiesen Killerbaum, Schlangen, Mutanten und Sektenmädels im Wald, die vor ersteren beschützt werden müssen. Ach, und packt noch einen Mann an das Rad eines riesigen Wagens, mit Käfig obendrauf, indem auch ein paar nackte Mädels rumsitzen. Eine Montage a la ’Rambo’, so mit Fallenstellen ist auch eine gute Idee, da freuen sich die Pfadfinder im Publikum.

Die Parade-Amazone:
Rüstig, grantig, kratzbürstig und immer willig!

Meine Damen und Herren, wie sie merken, drängt die Zeit. Ein paar Tipps habe ich noch für die Darsteller: Nackte Frauen und unsere üblichen Komparsen reichen völlig. Übernehmen sie sich da bloss nicht. Für die Komposition des Soundtracks reicht das alte Keyboard, das James Horner unten beim Getränkewart abgestellt hat. Desweiteren kommt es immer sehr gut, bei einer spannenden Verfolgungsjagd zu Pferde, in einem düsteren Wald, ein paar laute zwitschernde Vögel einzubauen. Und es würde mich freuen, wenn die Dialoge mal einen philosophischen Anstrich bekämen. Etwa: „Sterblich oder Unsterblich, das spielt keine Rolle.“ Das bringt sowohl eine völlig neue Perspektive und passt auch schön zum Namen unserer Produktionsfirma ’New Horizons’. Vielleicht gibt’s sogar den einen oder anderen Punkt bei den Kritikern dafür.
Den Rest müssen sie sich nun selbst zusammenreimen. Weitere Tipps geben Prof. Olivera im Raum 0.15 und Prof. Dr. Corman (das ist der mit den Archivaufnahmen) im Raum nebenan. Ich habe schon mit den beiden Gentlemen gesprochen und wir sind zum Entschluss gekommen, dass die besten Ideen mit einem eigenen Film belohnt werden. Titel: ’Amazons - Im Reich der Amazonen’.
Danke und auf Wiedersehen.

Hudson