Alligator - FilmFlausen.de
                          




Horror-Alligator


‘It's 36 feet long, weighs 2000 pounds, lives 50 feet below the city. Nobody knows it's down there except the people it eats.’


Originaltitel: Alligator (1980)
Regie: Lewis Teague Drehbuch: Frank Ray Perilli & John Sayles
Darsteller: Robert Forster, Robin Riker, Michael V. Gazzo FSK: 16


Der Horror-Alligator. Ganz wunderbar!
Die Achtziger Jahre blühten geradzu vor Tier-Horror-Sprossen, die Spielbergs ’Jaws’ oder Dantes ’Piranha’ nacheiferten. Einer der wenigen, die tatsächlich etwas zum Genre beitrugen und sich nicht einfach nur beim Buffet des animalischen Schreckens bedienten, war sicherlich der selbstironische Beitrag ’Alligator’.

Phase Eins der Krokophobie
Das fängt schon lustig an, als ein Krokodil bei einer Zoo-Vorführung dem unachtsamen Bändiger die halbe Haxe abkaut. Die kleine Marisa ist trotzdem begeistert und kann Mommy & Daddy dazu überreden, ihr ein Baby-Croc zu kaufen. Es dauert nicht lange, bis das Vieh ersten Ärger verursacht und daraufhin vom Herrn des Hauses konsequent die Toilette runtergespült wird. Wohlbehalten in der städtischen Kanalisation angekommen, muss sich das Kleine von Hundekadavern ernähren, die ein Wissenschafts-Verein dort unten entsorgt hat. Ein Wissenschafts-Verein, der mit Wachstumshormonen experimentiert! Na, dämmert’s langsam? Jahre später, nachdem er groß und stark geworden ist und der ’Hot Dog’- Lieferant mal wieder ein paar kleine Welpen zu deponieren hat, gönnt sich das Tier zum ersten Mal ’Mensch’. Auf den Geschmack gekommen, knuspert sich das Riesen-Reptil durch die Tunnel, was natürlich nicht unbemerkt bleibt. Dem Treiben auf die Schliche gekommen und vom Alligator persönlich zu Tode erschreckt, wendet sich Detective Madison (Robert Forster) an die Herpetologin Dr. Kendall (Robin Riker), ausgerechnet die junge Dame, deren Vater das Tier einst hinfortspülte. Während die beiden sich obligatorisch näher kommen, ist Croc-Hunter Col. Brock (Henry Silva) schon auf der Jagd nach dem Horror-Alligator.

Regisseur Lewis Teague, der auch später die beiden Stephen King-Verfilmungen ’Cujo’ und ’Katzenauge’ (und nicht zu vergessen ’Navy Seals’ prust!) dirigierte, machte mit dem ’Horror-Alligator’ mehr richtig, als falsch und schuf eines der wenigen Highlights des Tier-Horrors.

And the Best 'Breakout
Performance' goes to...
Das ist sicherlich auch John Sayles’ (Script zu ’Piranha’) Drehbuch zu verdanken. Hier gibt es einige Szenen zu bestaunen, die dem Genre-Fan im Gedächtnis bleiben dürften (der Abgang des Fotografen, die Kids im Pool oder das Auto, das den Gully verbarrikadiert). Nach dem schleichenden Grauen der ersten Hälfte sind die Macher clever genug, das Vieh in der Großstadt Amok laufen zu lassen. Was sich auf Papier etwas lächerlich lesen mag, funzt auf dem Schirm dank brauchbarer Miniaturen tatsächlich gut. Die Effekt-Arbeit ist für B-Movie Verhältnisse auch heute immer noch ansehnlich und mit der richtigen Dosis an Schock-Momenten gewürzt, ergibt das Ganze eine Mischung, die schlichtweg funktioniert. Auch die Entscheidung des Titelmonsters, zum Schluß auf der Hochzeitsfeier eines Verantwortlichen aufzutauchen, ist durchaus zu würdigen.
Dass selbst die Schauspieler zu überzeugen wissen, ist schon beinahe zu viel des Guten. Aber Hauptdarsteller Robert Forster ist die Rolle einfach auf den Leib geschrieben, was genauso auf ’Chief’ Michael Gazzo und ’Crocodile Hunter’ Henry Silva zutrifft.
Lediglich die Musik ist aus alten Stücken (’Mörderspinnen’) zusammengeschustert und erinnert vor allem beim Auftauchen des Titelmonsters an John Williams’ weltberühmten Soundtrack des ’Weißen Hais’. Aus letzterem wurde auch die beinahe persönliche Fehde ’Mann’ gegen ’Tier’ entliehen. Ich selbst habe keinerlei Einwände gegen diesen filmischen Beweis, dass es auch an Land funktioniert.

"Herr Ober, wo bleibt meine Zahnseide?"

Fazit: Ein bissiges, atmosphärisches, gut gespieltes Stückchen Genre-Kino, das genug Selbst-Ironie besitzt und sich nicht allzu ernst nimmt. Keinesfalls perfekt, sondern mit Ecken und Kanten, so wie es sein muss! Achso: “Krokodile in der Kanalisation?“ ist und bleibt ein ’Spoken Words’-Klassiker der Film-Geschichte.

Hudson