Das Alien aus der Tiefe - FilmFlausen.de
                          




Das Alien aus der Tiefe


‘Ein Kampf auf Biegen und Brechen gegen das Außerirdische’


Originaltitel: Alien degli abissi (1989)
Regie: Antonio Margheriti Drehbuch: Tito Carpi
Darsteller: Daniel Bosch, Marina Giulia Cavalli, Luciano Pigozzi FSK: 16


1990, das war eine Zeit, als europäische Genre-Filme noch ins Kino kamen. Ich weiß das, weil es auch das Jahr war, in dem ich zum ersten Mal eine Bravo in der Hand hatte und ’Das Alien aus der Tiefe’ tatsächlich einen halbe Seite im Filmteil spendiert bekam (wenn auch keinen Film-Foto-Roman… gibt’s die eigentlich noch?). Der Titel und das abgebildete Monster schürten die Neugier schon damals, aber ihr wisst wie das ist: Das Leben kommt einem in die Quere, Schule, Alkohol, Weiber, Weltreisen, Plündereien und tausende von anderen FlausenFilmen, in deren Gesellschaft sich der vorliegende nun endlich ohne Schimpf und Schande einreihen darf...

...und ohne Dresscode.

“Verdammt nochmal. Haben Sie denn gar kein Gewissen? Haben unsere Kinder denn kein Recht, in einer sauberen Umwelt zu leben?“
“Ich fürchte, das ist im Moment ein untergeordnetes Problem.“

Dabei beirrt der Titel den jungfräulichen Zuschauer in den ersten 50 Minuten, die ’Das Alien aus der Tiefe’ komplett in Abwesenheit des Titelmonsters verbringt. Hier versuchen zunächst zwei rasende Reporter eine Verschwörung industrieller Umweltsünder des Konzerns E-Chem aufzudecken, nur um recht bald von deren Häschern durch den Busch gehetzt zu werden, auf der Flucht vor Hubschraubern, die man sich mittels abgesägter Schrotflinten prima vom Leib halten kann. Man kennt das.

Das ganze Nutellaglas wegelutscht!
Dank flotter Inszenierung fällt dem Zuschauer kaum auf, dass bislang kein übernatürliches Element den Bildschirm gekreuzt hat… abgesehen von den Brillenschlangen (Reptilien, nicht Nerds), die sich durch Hubba-Bubba-Spucken verscheuchen lassen. (“Schlangen stehen nicht auf Kaugummi!“).
Wenn das Alien dann schließlich auftaucht, passiert das mit großem Glotterknall, der einen unvorsichtigen Taucher gleich das ganze Gesicht kostet. Dabei ist der thematische Zusammenhang (wenn auch durch Dialoge wie “Der Atommüll hat es angelockt. Das ist die einzige Erklärung.“ gerne forciert) inhaltlich kaum vorhanden. Das Alien plumpst einfach mitten in den Plot und lässt von nun an seine gigeresken Scherenarme durch die Anlage grapschen. Brüllende Scherenarme.

“Ich hätte nie gedacht, dass so etwas auf unserem Planeten existiert!“
“Ein Alien?“
“Ja, ein Alien!“

Polite ambassador from space:
Shakehands of glibber doom
Ja, ich bin selbst überrascht. Hätte ja auch ein Dimensions-Tramper sein können oder ein entlaufender Seuchenvogel aus dem Tschernobyler Zoo. Und Kontaminations-Krabimsel gibt es hier tatsächlich zu Hauf. Die Opfer des Aliens werden immer wieder mit gefährlich ansteckendem Pestilenz-Glibber angesabbert, das ihre Gliedmaßen bald in eiternde Gulaschwunden verwandelt.
Das geschieht den Umweltsündern, die ihren Atommüll frei nach Tolkien in einem Vulkan versenken (“Sie jagen reine Energie ins All hinaus!“) natürlich ganz recht. So will es uns zumindest die dick aufgesetzte Botschaft verklickern, die ich als Vorwand für das bedenkenlose Sehvergnügen gerne in Kauf nehme.
Die Darsteller sind solide, jedoch ist anzumerken, dass hier, wie in vielen italienischen Produktionen dieser Ära, die Hauptfiguren meist von austauschbaren Gringofressen verkörpert wurden. Da mussten dann die sogenannten ’character actors’ die Kohlen aus dem Feuer holen, um die Sympathie des Publikums auf Pegel zu halten. Hier sind es Charles Napier (’Blues Brothers’), der quasi eine Fortsetzung seiner Rolle aus ’Rambo 2’ spielt, den ewig uneinsichtigen Bürokratenarsch mit militärischem Machtkomplex, und der immer verlässliche Luigi Pigozzi, einmal mehr als murmelnder Sympathenzausel, den er schon im ’Rambo 2’-Rip-Off ’Der Kampfgigant’ zum Besten gab. Man merkt, hier kreuzen sich die Ströme.

Flausen-Helden aus der zweiten Reihe: Napier und Pigozzi

“Meinen Sie, dass es aus dem All kommt?“
“Das Alien? Selbstverständlich.“ […]
“Ist es nur eins?“
“Ich bitte Sie, eins ist mehr als genug!“

Stärken des Films sind die charmanten Miniatur-Sets, die an Bausätze aus alten Godzilla-Schinken erinnern und die heutzutage (vor allem im B-Film) schmerzlich vermissten praktischen Spezial-Effekte, auch wenn diese die relativ schmalen Produktionskosten deutlich offenbaren. Es gibt immer etwas Greifbares zu bestaunen in ’Das Alien aus der Tiefe’ und sei es das Innere des Vulkans, das wie Pappe wabbelt, als die außerirdische Bud-Bundy-Puppe am Ende hineinfällt oder auch die wohl hässlichsten Hosen der Filmgeschichte:

Baggy-Stone-Washed-Clownsbuchsen-Schnitt

Wenn die Dame im letzten Drittel vom Alien-Sputum befallen wird, ihre gesamten Klamotten in der Dekontaminations-Kammer lässt und den Rest des Films über in Unterwäsche umherstolzieren darf, um schließlich im Finale neben einem Gabelstapler gegen das Titelmonster anzutreten, deucht genre-versierten Filmfüchsen, wen Regisseur Margheriti hier als Vorbild hatte. War Ellen Ripleys Freizügigkeit in ’Alien’ jedoch ein Symbol absoluter Schutzlosigkeit und ihr Powerloader in ’Aliens’ lediglich eine Balance-Maßnahme im Matronen-Duell, wird hier beides nur zum Amüsement des Publikums auf der wackeligen Showtreppe präsentiert. Daran reibt sich kein großer Geist und manch einer würde argumentieren, es sei genau das, was Exploitation ausmacht.


Hudson