Alien Apocalypse - FilmFlausen.de
                          




Alien Apocalypse


‘Yesterday, they were only astronauts.
Today, they're humanity's only hope.’


Originaltitel: Alien Apocalypse (2005) Regie & Drehbuch: Josh Becker
Darsteller: Bruce Campbell, Renée O'Connor, Peter Jason FSK: 16


Da läuft man nichtsahnend durch die Videothek seines Vertrauens, hat den Korb schon voll mit französischen Avantgarde-Kram, Hollywoods letzten A-L(e)isten Blockbustern und dem neustens CineAsia-Schocker, und denkt sich: ’Mensch, irjendwat fehlt da noch!’. Und da, ganz oben, ganz frisch sieht man die neueste ’Sci-Fi-Channel’-B-Movie-Produktion mit schrottigem Cover im ’Krieg der Welten’-Fahrwasser, dem Titel ’Alien Apocalypse’ und vor allem einem Namen: BRUCE CAMPBELL!

So schnell hatte ich noch nie nach einer Leih-DVD gegrapscht.

Die Erde mag hinüber sein...

Zur Story:
Nach 40 Jahren im All (ähm, wie bitte?) (bruch)landet eine kleine Astronauten-Einheit auf der Erde. Das Team besteht aus Dr. Ivan Hood (Da Bruce!), Xena’s Freundin Gabrielle, einer 2. Frau und einem Afroamerikaner und wer errät, welche beiden Personen nach 10 Minuten ins Gras beissen werden, darf sich ’Cineast’ nennen.
Recht schnell ist erkannt: “Hey, die Zivilisation ist zerstört!“
Tatsächlich: Alles zerbombt, verwüstet, aus einer bulgarischen… äh amerikanischen Landschaft ragen zertrümmerte CGI-Ruinen einer Großstadt hervor.

...aber der Geist von
Bad Segeberg lebt weiter.
Fassungslos wird die Crew bald von schmierenkomödiantischen Hill-Billies umzingelt und gefangengenommen. Um den Astronauten zu zeigen, dass sie’s ernst meinen, wird erst mal ein Crew-Mitglied abgeknallt und der Rest zum Holzstapeln geschickt.
’Moment mal… Holzstapeln?’ fragt jetzt vielleicht der eine oder andere. Jaha, meine Lieben. Denn es folgt hernun die gnadenlos dämliche und zum schreien komische Erklärung der Apocalypse.

*räusper*

MENSCHENGROSSE TERMITEN HABEN DIE ERDE UNTERWORFEN!

“Was wollen die Aliens von uns?“ “Sie wollen Holz!“

Eine Neutronenbombe wurde geworfen, welche die Natur verschonte aber das Gros der Menschheit vernichtete (ja, logo). Die Überlebenen wurden ins Sägewerk gesperrt, um Holz für die Invasoren zu … sägen. Der Präsident (“Welcher?“ “Der Vereinigten Staaten!“) hat mit einigen Senatoren und anderen Republikanern eine Widerstandstruppe gebildet Nach einem Besuch im Termiten-Bau sehen wir dann auch zum ersten mal die Unterdücker (dazu später mehr) und nachdem ihnen ein paar mundgerecht geschnittene Menschen-Finger als Häppchen gereicht werden, ist auch das vorlaute Crew-Mitglied Nummer 2 Geschichte (“Menschenköpfe sind nach Holz unsere Lieblingsspeise. Provozieren sie uns nicht!“).

Bleiben Campbell und O’Connor (suprise suprise, und meinen Glückwunsch an die Cineasten!).

Begrüßung auf termitisch
Den beiden gelingt die Flucht und bald erreichen sie einen der übrig gebliebenen Posten menschlicher ’Zivilisation’ (Bauernhof). Hier versammeln sich jene, die weder zu Sklaven noch zu Verrätern an der Menscheit wurden. Mit einer feurigen Rede (die er ziemlich oft im Film anbringt) ermutigt Brucey die Bauern und begleitet sie auf der Suche nach ihrem Präsidenten (der mitsamt seinem Stab zwar in einer alten Blockhütte haust, aber auch Jahrzehnte nach der Apocalypse die Haltung wahrt und seinen alten Anzug aufträgt).
“Diese Kopfgeldjäger sind Tunten, die mach ich fertig! … Ihr glaubt, ihr seid frei, hier im ’Freedom Valley’ aber euer Bio-Bauern-Tal ist nur ein großes Gefängnis!“

Nach anfänglicher Euphorie wartete ich auf den üblichen ’Letdown’, der mich spätestens nach 40 Minuten leider viel zu oft bei filmischen Knallschoten dieser Art betrübt.
Überraschenderweise blieb er mir erspart. Tatsächlich wird dieser Film mit jeder Minute dämlicher. Und ihr wißt, wenn ich sage dämlicher meine ich natürlich besser.

Wo fang ich jetzt an?
Vielleicht bei Campbells unzähligen knalldoofen Dialogen mit den
Kopfgeldjägern:
“Ihr arbeitet für die Aliens und damit gegen die Menschen.“
“Ja, wieso nicht. Ich lass mich nicht versklaven!“
“Aber ihr macht euch schuldig, das ist infam.“
“Was heißt das?“
“Das Wort ’infam’ bedeutet boshaft, kapiert?“
“Halt die Klappe!“

'They've got the plans but we got the Power!'

und den Bauern:
“Ich bin ein Osteopath.“
“Und womit genau beschäftigen sich Osteopathen?“
“Nun ja, mit Nacktschnecken und ihrem Paarunsverhalten.“
“Oh, tatsächlich? Ich finde Nacktschnecken sehr faszinierend! Wie paaren die sich?“
“Gaaanz langsam.“
“Ah…“
“Man, das war ein Scherz!“

Dann sind da natürlich die insektoiden Eroberer unseres schönen Planeten (hier Bulgarien). Obwohl man sie im Close-Up auch als animatronische Puppen bewundern kann, sind diese Dinger zum Großteil eindeutig mithilfe von CGI animiert worden. Warum, for the love of god, bewegen sie sich dann trotzdem wie ’Hurvinek und Spejbl’ (oder ’Urmel aus dem Eis’, für unsere westdeutschen Leser), hölzern und mithilfe von 2 Stäben bewegt. Diese Kreaturen können sich zweifellos das Prädikat ’Dämlichste Insekten-Monster seit Joan Collins ’In der Gewalt der Riesenameisen’’ anheften.

Hail to the Motherfuckin' King!
Bruce Campbell (mal wieder ganz typisch mit einer anderen Synchro als im Film zuvor, in welchem er eine ganz andere Synchro als im Film zuvor hatte) spielt den glücklosen Space-Doktor im bewundernswerten ’Over the Top’-Modus (“Hey, ich steh jetzt auf Parolen!“). Sein Schauspiel erinnert nicht nur einmal an seine überzogene Glanzparade in ’Armee der Finsternis’. (Apropos, die Musik ist auch von ’Army of Darkness’-Maestro Joe LoDuca, klingt aber oft, als hätte er kräftig im Notenheft von W.G. Snuffy Walden’s ’The Stand’-OST geblättert.)
Die anderen Pappkameraden bleiben schlichtweg zurück, im Windschatten des mächtigen Bruce, und tragen mitunter die falschesten Bärte und Perücken seit ich mit sechs Jahren als unrasierter Indianer zum Kinder-Fasching gegangen bin. Renee O’Connors Rolle war übrigens ursprünglich ihrer ’Xena’-Partnerin Lucy Lawless angedacht, die dann aber doch ablehnte.
“Ich sage es ungern, aber der Präsident ist jetzt ein alter Mann, der aus dem Fenster starrt!“

Leute, lacht nicht! Diese teils imbezilen/teils verdammt selbstironischen Dialoge sind erst die Spitze des Eisbergs. Ihr habt noch nicht gesehen, wie die ’Termiten’ während eines Toten-Rituales abfeiern. Ich hab ja noch nicht mal den Buckligen mit der Monty Python-Synchro erwähnt, die wundervollen Landschaften Bulgariens, das Spartacus-Finale oder als Da Bruce einen der Kopfgeldjäger mit der Armburst erwischt, woraufhin es zu folgendem Dialog kommt (der wohl auf eine subtile Art und Weise die Todesstrafe thematisieren soll): “Ich habe gedacht du kurierst, warum hast du das gemacht?“
“Tut mir leid, unverbesserliche Menschen kann nur der Tod kurieren!“
(That’ll show ’em pesky ’Dead Man Walking’-Fans!). Also… nee, ich sag nix mehr!

“Schneid mir einen Finger ab, schneid mir einen Finger ab. Ich arbeite auch im Sägewerk!“

Alien Apocalypse Now!

Leute, dieser Film ist schräg wie ein /, dummdreist wie sein Cover und holzig wie früher Spargel. Genau mit dem Übermaß an Wahnwitz gesegnet, der Streifen dieser Art aus der unübersehbaren Masse von Schrott hervorschnellen lässt, um euch beim Schlawittchen zu packen. Kurz gesagt: Einer der geilsten Trash-Epen der Moderne. Das ’Flausen-Dummy’-Prädikat versteht sich hier von selbst!

Hudson