Aktion Mutante - FilmFlausen.de
                          




Aktion Mutante


‘Aufstand der Freaks’


Originaltitel: Acción mutante (1993) Regie: Álex de la Iglesia
Drehbuch: Jorge Guerricaechevarría & Álex de la Iglesia
Darsteller: Antonio Resines, Álex Angulo, Frédérique Feder FSK: 18


“Wir sind Soldaten in der Armee der Mutanten und wir werden diesen Krieg gewinnen. Die Gesellschaft hat uns lange genug wie Dreck behandelt, aber jetzt werdet ihr dafür bezahlen, jeder von euch! Wir werden die Welt befreien von hübschen Jungen und gut gebauten Modepüppchen. Ich sage euch, ich habe diesen ganzen verdammten Diätmist satt. Ich habe diese Duftwasser-Schönheitscreme-Auto-und-Mineralwasserwerbung satt. Nein, wir wollen nicht schön sein, nach Parfum duften oder Gewicht verlieren!“

Forget about the Good,
here come the Bad...
Man mag es kaum glauben, aber die Terroristen der Gruppe ’Aktion Mutante’ sind ein Haufen degenerierter Deppen. Im Auftrag des Absurden, Hässlichen und Grotesken unterwegs (sie selbst sind missgestaltete, verkrüppelte Panneköppe) sprengen sie Schönheitssalons und Fitnessparties gleichermaßen. Sie verstümmeln das Attraktive, zerschlagen das Vollkommene, verabscheuen Perfektion. Ihr Ziel ist klar gesteckt, ihre Methoden sind gewissenlos, die Ausführung mehr als holprig. Die Jungs sind einfach zu doof, um effizient zur Sache zu gehen. Als der schräge Haufen die Millionärstochter Patricia entführt, gerät der Zusammenhalt der debilen (Un)Organisation komplett ins Wanken…

“Weißt du denn überhaupt, wie Atomkompressoren aussehen?“

...and the Super-Ugly.
’Aktion Mutante’ ist das Debüt des spanischen Genre-Weirdos Alex de la Iglesia und zelebriert Genre-Weirdness bis zum Exzess. Was de la Iglesia hier an abgedrehten Sets, absurden Effekten, Sight Gags und Over-Acting auf sein Publikum loslässt, sucht seinesgleichen und findet dieses eventuell in den Wahnwelten eines Terry Gilliam oder bei Jean Piere Jeunets ’Delicatessen’. Im Gegensatz zu den Filmen dieser beiden Herren, wirkt ’Aktion Mutante’ jedoch unfokussiert. Die Story ist wendungsreich, aber die Charaktere zeichnen sich fast ausschließlich durch Extremismus, dargestellt mittels überzogener Grimassiererei und zuckendem Gekeife, aus. Thematisch ist der Streifen sowieso ’all over the place’. Unterdrückung, Schönheitswahn, Loyalität, Kapitalismus, Liebe, Chaos gegen Ordnung. Ich mutmaße, de la Iglesia wollte so etwas wie den ’Anti-Harrison-Bergeron’ schaffen, doch verlangt er seinen Zuschauern viel ab, wenn ein Gewaltausbruch den nächsten jagt, ohne Rücksicht auf Verluste gesplattert und geulkt wird, aber keinerlei emotionale Anhaltspunkte geboten werden. Wer hier mitkommen will, der muss sich ranhalten, was durch die allgemeine Unsympathie der Charaktere (etwas, das mich persönlich bei vielen Werken de la Iglesias stört) nur erschwert wird.

Causing a shitload of trouble.

Dem visuellen Einfallsreichtum, der famosen Steam-Punk-Ausstattung und der oberflächlich unterhaltsamen Quirkiness zum Trotz, kann ’Aktion Mutante’ einfach nicht überzeugen. Zu sehr verliert sich der Film in seinen Mätzchen und einer Very-Bad-Taste-Attitude, die ihn seine Fans als “Verrückten Scheiß!“ anpreisen lassen. Und da will ich nicht mal widersprechen.


Hudson