After Death - FilmFlausen.de
                          




After Death - Das Böse ist wieder da



Originaltitel: Oltre la morte (1988)
Regie: Claudio Fragasso Drehbuch: Rossella Drudi
Darsteller: Jeff Stryker, Candice Daly, Massimo Vanni FSK: 18


Tonight: New Tales from the Crapper

"Wo ist Tommy hin?"
"Er ist jetzt ein..."
"Er ist jetzt was ?!"
"Ein Zombie!"
"...Tommy?"

Wir alle erinnern uns nur zu gerne an die großen Tage des italienischen Zombie-Kinos. Die Zeiten als Regisseure wie Lucio Fulci Anfang der 80er einen Klassiker nach dem Anderen drehten und unvergessene Meisterwerke wie 'Woodoo - Schreckensinsel der Zombies' oder unterhaltsamer Ramsch wie 'Hölle der lebenden Toten' erschienen sind... lange ist's her. Aber nicht mal 10 Jahre nach dem all diese Streifen Weltruhm für den italienischen Zombiefilm eingeholt haben, kam die filmgewordene Kernschmelze 'Zombi 4 - After Death' raus und zog das ganze Genre in den Abgrund der Lachhaftigkeit.

"Na, mal anfassen ?"
Zombi 4 - übrigens nicht wirklich ein Sequel zu Zombi 2 oder 3- stammt von keinem geringeren als Claudio Fragasso. Der Mann, der durch seinen Meilenstein 'Troll 2' (den besten Film über vegetarische Trolle, der jemals in Europa gemacht wurde) von jedem Trash-Freund angebetet werden sollte. Einen Zombie-Film zu drehen schien allerdings nicht ganz Claudios Ding zu sein. In einem kurzen Voice Over, erfahren wir, dass eine Gruppe von Wissenschaftlern auf einer tropischen Insel ein Forschungszentrum errichtet und dort Experimente zum Wohle der Menschheit gemacht hat, die alle Krankheiten für immer aufhalten sollten. Natürlich ist dieses Vorhaben in die Hose gegangen. In einer anschließenden Rückblende (ich sag euch lieber gleich, dass es 'ne Rückblende ist, denn durch mangelndes Story-Telling wird in der nächsten Stunde nicht weiter darauf hingewiesen) sehen wir dann einen schwarzen Voodoo-Priester mit schicker Badekutte und Man-Boobs, der seine Flüche in die Leere einer Höhle brüllt, während seine Frau im Hintergrund in den Wehen liegt - zumindest sieht ihr Ritual-Tanz sehr danach aus. Schließlich stürmt ein Trupp Wissenschaftler mit Maschinen-Gewehren die Höhle, gerade als der Priester seine Frau nach einer ausgiebigen Kotz-Szene zur Hölle hat fahren lassen (buchstäblich, mittels Loch im Boden!) und erklärt, dass die Truppe den Tod seiner Tochter verschuldet hat ("Wir haben versucht sie zu retten, aber sie hatte eine unheilbare Krankheit - KREEBS!"). Als Strafe lässt der Priester nun also die lebendigen Toten auf die Insel los (die irgendwie auch schon vorher da waren) und wird kurz danach erschossen. Gleichzeitig werden draußen im Wald junge Eltern mit Kind von Zombies verfolgt, die mit schwarzen Kapuzen und Gummi-Fratzen im Gebüsch hocken und fast den Aliens aus 'Trash Monsters from Outer Space' gleichen.

"We are going to stare at you."
20 Jahre später (schätze ich) kommen vier kernige Söldner, verbunden durch eine Vietnam-Freundschaft, mit zwei Mädchen auf die Insel um… sagen wir einfach, Urlaub zu machen. Währenddessen trifft auch ein Peter Fonda für Arme mit zwei Freunden ein, um raus zu finden, was mit den Wissenschaftlern vor 20 Jahren passiert ist. Wieso es junge Leute so auf abgelegene Inseln zieht, die verlassen und verflucht sind, weiß ich auch nicht. Jedenfalls finden die drei Leute (Gruppe #2) in “einer Art Tempel”, ausgestattet mit Neon-Leuchten und Kerzen, ein Buch, dass sich 'The Book of the Death' nennt (jede Ähnlichkeit zum ‘Book of the Dead’ ist rein zufällig!), beschließen mit einigem Zögern natürlich genau die Passage laut vorzutragen, die die Toten auferstehen lässt (obwohl sie das ja eigentlich sowieso schon sind) und werden prompt von ein paar Kutten-Zombies angesprungen. Nach dem zwei der Truppe in einer der lahmsten Zombie-Attacken aller Zeiten getötet werden, kann der Dritte entkommen und sich zur Söldner-Gruppe gesellen, die mittlerweile ebenfalls Bekanntschaft mit den Untoten gemacht hat ("Wer hat das getan?" - "Ein Verrückter. Ich glaube er hatte Lepra.”). Von nun an geht's an die alte Überlebens-Masche. Man verschanzt sich im 'örtlichen Krankenhaus', in dem glücklicherweise auch Kistenweise geladene Maschinenpistolen liegen und lässt sich nach und nach von den Zombies töten. Das haben wir alles schon gesehen.

Jetzt gibt's was mit der groben Kelle!

Okay, bis hierhin mag die Story nach durchschnittlichem Horror-Schund klingen, doch die filmische Umsetzung sucht tatsächlich ihresgleichen. Aber wenn ein Zombie-Film schon mit einem englischen Pop-Song als Titellied losgeht, der so fetzig ist, dass ich ihn ohne weiteres in einer Montage in 'Rocky IV' akzeptieren würde, kann man wohl nicht viel erwarten. Ich bin nicht der Typ, der einem B-Movie vorwirft, nicht kreativ zu sein, aber wenn Szenen 1:1 aus Genre-Klassikern wie 'Tanz der Teufel' , 'Dawn of the Dead' oder 'Day of the Dead' kopiert werden, ist das schon ziemlich rüde. Die meisten Hauptdarsteller machen ihre Sache angemessen für einen Film dieser Art, versagen teilweise aber völlig, wenn es um Zombie-Kämpfe geht. So ein lustloses Rumwälzen bin ich normalerweise nur aus schlechten Pornos gewöhnt. Zu den besten Schauspielern zählen Nick Nicholson als Hard-Ass Söldner mit ‘Kater Carlo’ Synchro, der sagt:

Freunde bis zum Tod...
und darüber hinaus
"Wenn das ein Beispiel sein soll, für das, was uns allen passiert, wenn sie uns beissen, DANN WERD ICH JEDE MENGE VON IHNEN VORHER KILLEN! JAAAAAAAAAAA!!!", Jim Gaines (bekannt aus Bruno Matteis letzten Zombie-Streifen und dem Predator Rip-Off 'Genetic Code'), Candice Daly (die 2004 leider von ihrem Freund mittels Drogen getötet wurde) als Final Girl und Stuntman Ottaviano Dell'Acqua (der berühmt-berüchtigte 'Woodoo'-Cover-Zombie persönlich). Eine große Enttäuschung für die meisten Fans dürften in erster Linie die Effekte sein. Zwar gibt es einige Gore-Szenen, aber bis auf wenige Ausnahmen (z.B. ganz am Ende) sieht das meiste wenig überzeugend und vor allem wenig originell aus. Das Budget hat nicht mal dafür gereicht, den Waffen-Replikaten ein Mündungsfeuer zu geben. Gleiches gilt für die Zombies, deren Make-Up absolut bescheuert aussieht. Die meisten von ihnen tragen die ganze Zeit über diese seltsamen Ninja-Kapuzen-Outfits und zeichnen sich ansonsten bloß durch vernarbte Gummi-Masken und falsche Zähne aus. Und das ist eine Sache, die an diesem Film bis zum Himmel stinkt. Die Zombies halten sich nicht an die Regeln. Die Zombies in diesem Film rennen durch die Wälder (lange vor dem 'Dawn of the Dead' Remake), laufen vor Menschen weg, feuern Maschinengewehre ab (!), springen ständig Leute von hinten an und können sogar sprechen ("Komm her, du sollst so sein, wie wir... es wird eine tolle Erfahrung für dich sein... nur ein Biss, das ist schon alles... und dann wirst du auch ein lebender Toter sein!" sowie das seit 'Evil Dead' obligatorische 'Wir wooollen euuuch!"). Manchmal stehen sie aber auch alle zusammen minutenlang regungslos im Bild. Und allen Zombies läuft pausenlos Birnenschmaus aus dem Mund.

Gebt 'Troll 2' die Lichtung zurück!
Ein weiterer Stör-Faktor ist die gesamte Optik und Machart des Films. Obwohl ich Claudio Fragasso nicht zwangsläufig für einen untalentierten Regisseur halte, gibt es hier nicht viel zu lachen. Gerade im Vergleich zu 'Troll 2' wirkt die Kamera oft einfallslos und lieblos - aber ich kann auch in aller Objektivität sagen, dass 'Troll 2' der rundum bessere und besser gemachte Film ist. Die Synchronisation ist bis auf ein paar bekannte TV-Stimmen wenig spektakulär, aber meistens auch nicht ätzend. Die Dialoge sind mit Sprüchen wie "Du verdammter Bastard! Du bist es gewesen! (...) Du hast die Toten auf die Lebenden gehetzt! Du warst es!" oder "Glaubt ihr heutzutage etwa noch an Zombies?" natürlich reichlich lachhaft. Weiß doch jeder, dass die Zombies schon längst ausgestorben sind.

Fazit: After Death zählt zu den trashigsten Zombie-Filmen, die ich kenne - und ich kenne sie alle. Der Film ist locker das 'Todesschwert der Ninja' unter den Italo-Zombies. Auch wenn das DVD-Cover ihn -fast ironisch- als 'den letzten großen italienischen Zombiefilm' und 'den krönenden Abschluss der Ära' bezeichnet. Wer nichts weiter als ein paar billige Splatter-Szenen braucht, um glücklich zu sein und über schlechte Filme lachen kann, mag ihm eventuell trotzdem was abgewinnen, aber wer auf Sonder-Würste wie Qualität, Anspruch, Logik, Handlung, oder gar was Neues wert legt, wird den Film hassen. Ich gebe zu, trotz des dreisten Diebstahls an viel besseren Filmen (vorlesen aus dem Buch des Todes, den besten Freund als Zombie erschießen, Hände die durch Wände kommen, Zombies die ‘Join Us!’ artige Ausrufe machen, etc.), funktionieren einige Momente auf ihre Art irgendwie. Das Verschanzen im Krankenhaus und zur Wehr setzten in Söldner-Manier könnte in einem anderen Film sogar gut aussehen. Erschrecken werden die öden Kapuzen-Zombies aber mit Sicherheit niemanden.

Presented by: The infamous Sabber-Fratzen Brigade

P.S.: Hey, hat noch jemand die Wälder und den grünen Schleim aus ‘Troll 2' wieder erkannt?

P.P.S.: Zombi 4 ist trotz Alternativtitels weder ‘Zombie Flesh Eaters 3' (UK-Titel von ‘Woodoo’), noch ‘Return of the Living Dead 3'. Und eigentlich auch nicht Zombi 4.


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