Abraxas - Retter des Universums - FilmFlausen.de
                          




Abraxas – Retter des Universums

‘Die Zukunft liegt in seiner Hand’


Originaltitel: Abraxas, Guardian of the Universe (1991)
Regie & Drehbuch: Damian Lee
Darsteller: Jesse Ventura, Sven-Ole Thorsen, Marjorie Bransfield FSK: 18


Da ist er endlich: Abraxas.
Lange verschollen geglaubt und doch in der hintersten Ecke der Videothek meines Vertrauens gefunden, ist es mir endlich gelungen, diesen Film zu begutachten.

Die Story ist schnell erzählt. Natürlich werde ich nichtsdestotrotz länger brauchen.

"Ich bin Holzfäller
und mir geht's gut..."
Man nehme zwei intergalaktische Muskelberge mit Stahlskelett, gebe ihnen überirdische Namen und lass einen von beiden die dunklen Pfade der Macht beschreiten, schon haben wir eine Ausgangssituation.
Abraxas (Jesse Ventura, ’Predator’) und Secundus (Sven-Ole Thorsen, 'Conan - Der Barbar') sind ehemalige Partner, die durch widrige Umstände zu Kontrahenten wurden und stellen sich zu Beginn mittels stumpf artikuliertem Voice Over gleich selber vor:
„Secundus und ich kennen uns schon verdammt lange. Wir haben schon harte Zeiten miteinander durchgemacht!“
„Abraxas kann meine Motive nicht verstehen. Er glaubt immer noch an Recht und Unrecht!“ Na, bitte da haben wir eine durch und durch gelungene Charakterisierung der beiden Brummis (nein, ausgefeilter wird’s in ‘Abraxas’ nicht).
Nach 10 000 Jahren (intergalaktische Haltbarkeit!) bei der Truppe, krauchen sie nun durch den Schnee auf dem ollen Planeten Erde und versuchen, sich gegenseitig den Garaus zu machen. Secundus hat nur ein Ziel (ich zitiere die Packungsbeilage), “…seine interstellare Super-Power [auf ein Weibchen zu] übertragen. Der gemeinsame Sohn [Komata genannt] soll Träger ewiger Macht und ewigen Lebens werden…“

Strets on Fire
Das will das Regime, das ihn zur Killermaschine ausbildete, verhindern und schickt seinen Ex-Partner Abraxas hinterher.
Zu spät! Secundus schwängert (“Bist du ein fruchtbares Mitglied der menschlichen Rasse?“ “…“ “Ich brauche deinen Körper!“) die junge Sonia (Marjorie Bransfield, die damalige Frau von James Belushi) und zeugt so den Erben, der dann auch schon nach 5 Minuten aus dem Mutterleib poppt. Abraxas bekommt die Anweisung, Mutter und Kind zu vernichten, da von ihnen eine große Gefahr für das Universum ausgehen soll, weigert sich jedoch. Stattdessen gelingt es ihm, Secundus zu fangen und in den intergalaktischen Knast zu stecken.
Währenddessen hat sich Sonias Leben völlig umgekrempelt. Niemand glaubt ihr die Geschichte, von ihren Eltern wird sie “…des Hauses verwiesen…“ (O-Ton) und muss nun mit ihrem Kind alleine zurecht kommen. Doch es dauert nicht lange, bis Secundus erneut aus der interstellaren Haft entkommt und sich auf die Suche nach seinem Erben begibt und natürlich ist ihm einer wieder auf den Fersen: Abraxas – Retter des Universums.

“Finden sie nicht, dass einer von euch außerirdischen Typen mir mal eine Nachricht zukommen lassen könnte, um mir zu bestätigen, dass ich nicht verrückt bin, dass alles dies wirklich passiert ist?! Oh nein, das wäre wohl zu viel verlangt. Ihr seid viel zu sehr damit beschäftgt, das Universum zu retten. Haben sie sich jemals gefragt, was ich durchmache? Oder wie schwierig es ist, zurecht zu kommen! Haben sie vielleicht eine Ahnung, was eine 4-Raum Wohnung kostet?“

"Papa, Papa! Warum
hast du so dicke Arme?"
Junge, Junge, ’Abraxas’ ist schon ’ne Marke!
Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, das Ding in der Luft zu zerreißen und im Konfetti-Regen der Überreste einen unpassenden Freuden-Tanz aufzuführen.
Hier wurde wirklich alles falsch gemacht, was falsch zu machen war. Das fängt schon bei den beiden Hauptdarstellern an.
Um eins gleich klarzustellen: Ich mag Jesse ’The Body’ Ventura und bin wahrscheinlich der größte Sven-Ole Thorsen Fan diesseits der Ostsee. Die Jungs standen hier nicht das erste Mal gemeinsam vor der Kamera. Beide haben sich nicht nur als Wrestler (Ventura) und Stuntman (Thorsen), sondern vor allem auch als Wegbegleiter eines gewissen ’berühmten Zahnstochers’ einen Namen gemacht. Ventura war sowohl bei ’Predator’ als auch bei ’Running Man’ als kampferprobte Testosteron-Bombe dabei, ebenso Thorsen, den man überhaupt aus so ziemlich jedem Schwarzenegger-Streifen seit ’Conan’ (und auch aus ’Gladiator’) kennen sollte. In diesen Filmen machen die beiden das, was sie am besten können: Gestandenen Schauspielern zur Seite stehen und als Nebenfigur einen kleinen aber niemals unbedeutenden Beitrag zum Film zu leisten.
Wer auch immer auf die Idee kam, diese beiden Beulen als Hauptdarsteller zu engagieren, hatte eindeutig einen Painkiller zuviel eingenommen.
Sven-Ole (ein alter Bodybuilding Kumpi von Arnie und gelernter ’Power Lifter’, kein Witz!) mischt in seinem Wald-Schrat Outfit jeden auf, der ihm auch nur eine falsche Uhrzeit sagt und kann eine Stehlampe in ein Mordinstrument verwandeln. Dänemarks Äquivalent für Ralph Möller (nur eben tausend mal besser), der auch in Kevin Smith’ ’Mallrats’ bewies, dass er durchaus zu trefflichen Leistungen im Stande ist, hatte mit ’Abraxas’ anno ’91 wohl den Tiefpunkt seiner Karriere erreicht. Sein Spiel ist farblos, tumb und für einen Fan wie mich schwer zu schlucken. Dabei muss er doch nur einen Roboter spielen... so what's to fuck up here?! Nur selten kommt es zu unterhaltsamen Situationen, in denen Thorsen dem Zuschauer ein Lächeln abringen kann. (“Was ist das?“ “Die Rechnung!“ “Hab ich die bestellt?“ “Die bekommt jeder.“ [Steckt sich die Rechung in den Mund]: “Schmeckt ganz gut.“)
Dass es noch schlimmer geht, beweist jedoch Jesse Ventura.

...uiuiuiuiuiuiui...
Wenn der Hüne (und spätere Governeur von Minnesota… ohje) mit freiem, muskulösem und behaartem Oberkörper im französischen Bett liegt und den kleinen Thommy zu sich bittet (“Hallo. Ich nehme an, du bist noch nicht müde. Setzt dich doch mal ein bißchen zu mir, dann erzähl ich dir eine Geschichte. Sie handelt von zwei Männern, die einmal Partner waren…“) kann dem einen oder anderen Zuschauer ganz anders werden. Seine piepsige Synchro passt zu seinem gewaltigen Äußeren ebensowenig, wie das kleine Zöpfchen, das hinter einer gewaltigen Halbglatze den Nacken ziert. Sein ganzes Gebaren im baby-blauen Pullover ist wirklich unverschämt erbärmlich.
Dazu gibt’s einen Cameo von James Belushi als psycho-therapeutischen ’Prinzipal’ (das kennt man ja) und außerirdische Kontrollatoren, die sich mit nichts anderem als ’Random-Blue-Button-Pushing’ (erst den in der Mitte, dann den rechts oben, dann…) und ’Stupid-Rumlabering’ (“Die Bewohner nennen diesen Planet Erde!“ “Hübscher Name!“) beschäftigten.
Das albernste an diesem Machwerk unterirdischen Action-Trashs ist jedoch die Begleitmusik, die man sonst nur in Fahstühlen zu hören bekommt.
Die Action ist banal, zuweilen spaßig, aber nie originell, sondern zumeist aus ’Rambo’, ’Terminator’ und anderen Action-Highlights der vorangegangen Dekade zusammen gemopst und gestattet sich am Ende dann tatsächlich noch, die Darth V./Luke S. Nummer (“Du kannst deiner Bestimmung nicht entkommen!“) abzuziehen.
Die obligatorische ’Zwei Cops sind den beiden auf der Spur’ Nebenhandlung fehlt genauso wenig, wie ein sprechender Hand-Computer und Absurditäten der ganz merkwürdigen Art. So wird das Baby nicht nur im Zeitraum von 5 Minuten gezeugt und geboren, nein, die Mutter ist bei der Niederkunft auch komplett bekleidet, gebärt also durch Anorak und Hose hindurch.

Wäre diese Szene tatsächlich im Film,
hätte 'Abraxas' unseren 'FlausenDummy' verliehen bekommen.

’Abraxas’ – Ein Film, zu dem mir einfach kein Fazit einfallen will. Sicher, er hat Sven-Ole Thorsen (den coolsten Dänen seit Egon Olsen), außerdem die Lacher auf seiner Seite und die wohl höchste ’GTA’ Rate in einem Film überhaupt (gefühlte 80 mal). Für den FlausenDummy reichts aber leider nicht.

Hudson