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Abby


‘The Devil took her for his lover! Her body is possessed, her soul is next!’


Originaltitel: Abby (1974)
Regie: William Girdler Drehbuch: William Girdler & Gordon Cornell Layne
Darsteller: William Marshall, Austin Stoker, Carol Speed FSK: unbekannt


Bischof Williams (William Marshall) ist nicht nur ein Mann Gottes und unter seinen Schäfchen beliebt, sondern auch ein weltreisender Abenteurer, der eines Tages am falschen Ort zur falschen Zeit auftaucht. Als er mit zwei Helferlein in einer Höhle in Nigeria an einem heiligen Stück Ebenholz (natürlich ist es Ebenholz!) herumpult, befreit er aus Versehen einen alten afrikanischen Sex-Dämonen, der sich nicht lange Zeit lässt und schwups nach Kentucky fliegt, wo er sich in dem Haus von Williams Sohn und dessen Frau Abby niederlässt. Als letztere eines Morgens unter die Dusche schlüpft, nimmt sie der Dämon in Besitz und lässt sie von nun an unanständige Dinge machen. Abby beginnt sich selbst zu verstümmeln, kotzt Leute mit weißem Schaum voll, stellt ihre Ehe in Frage (“I want to know, why you call sex love? It’s just an animal lust. I’m not your ho!”) und bietet einer Kundin (Abby ist Eheberaterin) bei einer Sitzung an, ihren Ehemann die Treppe mit rauf zu nehmen, um ihm die “Scheiße aus dem Leib zu ficken“. Als auch ein Besuch in der psychiatrischen Anstalt des örtlichen Krankenhauses Abbys dämonische Aktivitäten nicht unterbinden kann und die Dame auf den Straßen Kentuckys einen willigen Freier nach dem anderen vögelt, muss Bischoff Williams aus Afrika eingeflogen werden, damit er sich dem Übel, dass er einst erweckte, endlich stellt…

Safari Jones und der Geist der Schlampe

“Please stop this, my husband is dead,”
“Oh you’re funny. Your sweety married you, screwed you once and left you to rot like a rotten apple. Muahahahah!”

Es braucht keinen großen Geist, um hier eins und eins zusammenzurechnen und bei ’Der Exorzist’ herauszukommen. Regisseur William Girdler, der später die Tierhorror-Schocker ’Grizzly’ und ’Panik in der Sierra Nova’ inszenierte und hier auch für das Script mitverantwortlich war, klaute so ziemlich alles aus Friedkins Horror-Klassiker, packte die Story auf grobkörniges Filmmaterial und ins schwarze Gewand der Blaxploitation.

"Oh Herr, mal unter uns: Das hier
kann doch nicht dein Ernst sein!"
Seine besessene Protagonistin muss eine Tortur nach der anderen durchleiden (Selbstverstümmelung, rauhe Röhrstimme, Riesenaugenbrauen, Schaum vor dem Mund), teilt selbst verbal (“You ugly motherfuckers! I see you all in hell. You are the ugly ones!“) sowie handgreiflich (adé, arme, alte Haushälter-Oma) böse aus und bekommt schließlich den Exorzismus (Blaxploiter-Style) in einem Nachtclub unter der Discokugel verpasst. Dabei wird natürlich keinerlei Schwerpunkt auf echten Grusel oder gar Angst-Atmosphäre gelegt, wie wir es etwa vom Original kennen, sondern voll auf die reißerische Schock & Rock-Karte gesetzt, was beim damaligen Bahnhofskino-Publikum sicher genau so gut ankam, wie heutzutage bei Fans hanebüchener C-Movies.
Besonders toll ist die fesche Musik von Robert O. Ragland (’Das Ding mit den zwei Köpfen’, ’American Monster’), der einen typischen funky Blaxploitation-Score zu jeder passenden Gelegenheit einspielt. (Und ja, es finden sich tatsächlich immer wieder passende Gelegenheiten! Bei Taxifahrten, Street Life und den erwähnten Nachtclubs!)
Mit ’Blacula’ Darsteller William Marshall und ’Horror High’-Cop Austin Stoker hat ’Abby’ zudem zwei kantige Darsteller, die für authentische Black Coolness sorgen.
Warner Bros. zeigte sich humorlos und verklagte die Produktionskantine ’AIP’ (in den Siebzigern einer der Hauptlieferanten von Grindhouse-Hupen der Marke ’Polyp’ oder ’Der Mann mit der Stahlkralle’), die den Film danach für einige Zeit von der Bildfläche verbannen musste.

”What do you want here?“
“I wanna help you. Abby.”
“Do I look, like I would need some daaaaaaaaaaaaaaamn help?”

Neulich im Nachtclub umme Ecke:
Ist es ein Tanz? Ist es ein Black Magic Gangbang? Ist es Komasaufen?
Nein, es ist 'All you can Exorcize' mit Abby, des Satans schwarzer Schwester!

Nein, der armen Seele ist nicht mehr zu helfen. Denn hier macht wenig Sinn, dafür aber vieles Spaß. Qualitativ irgendwo zwischen ihren Black Bros ’Blacula’ und ’Blackenstein’ angesiedelt, kann ’Abby’ Freunden schwarzer Genre-Cocktails mithilfe des einen oder anderen Selbstgemixten bestimmt einen spaßig-trashigen Abend bescheren. Dass man nicht wenigstens den Anstand hatte, den Film ’The Blaxorzist’ zu nennen, nehme ich den Machern aber übel.


Hudson