Abar, the First Black Superman - FilmFlausen.de
                          




Abar, the First Black Superman


‘He asked for Equality, he witnessed injustice.
He knew Wisdom ... he got Revenge!’


Originaltitel: Abar, the First Black Superman (1977) Regie: Frank Packard
Drehbuch: James Smalley & J. Walter Smith
Darsteller: J. Walter Smith, Tobar Mayo, Roxie Young FSK: unbekannt


Dr. Kincade ist ein wohlhabender, erfolgreicher und höchst anständiger Arzt, der mit seiner Familie endlich in ein schickes Haus in einer feineren Gegend einzieht. Und zwar sehr zum Unwillen seiner neuen Nachbarn. Die sind nämlich weiß und Dr. Kincade ist (gasp!) schwarz. Augenblicklich macht die Botschaft die Runde in der feinen Nachbarschaft und die Reaktionen auf das Erscheinen der farbigen Familie fällt alles andere als fein aus: Lauthalse Proteste, Beleidigungen und schließlich sogar tätliche Angriffe (Sie haben die Katze getötet! Ihr weißen Schweeeeiiiineeee!).

WASP - White Anglo-Saxon Protesters
Die Hilfe der ’Black Front of Unity’, einer militanten Hood-Crew, lehnt der gute Dr. Kincade erst einmal ab. Schließlich will er dem Hass der weißen auf seine eigene Art und Weise beikommen. Peace, y’all! Aber die ’honkies’ wollen es einfach nicht kapieren. Als ein auf frischer Tat ertappter Bombenleger (those whiteys are off the fuckin’ chain!) den kleinen Sohn der Kincades überfährt, platzt selbst dem zivilisierten Doktor der Kragen. Kincade begibt sich in den zum Chemielabor ausgebauten Keller seiner Butze und braut ein Superserum zusammen, das er seinem Freund und Nachbarn Abar, dem Head-Honcho der ’BFU’, zum Auslöffeln kredenzt. Mit unglaublichem Resultat!

“My friends call me deadwood dick. But my enemies call me smart black nigger.”

Tja, das war schon fies damals, Ende der Siebziger. Da protestierten feine, weiße Herrschaften vor den Häusern neu zugezogener Schwarzer Mitbürger, rannten mit Swastika-Armbinden und Hitlergruß über den Bürgersteig und beschimpften sogar die Kinder auf unendlich infame Weise (“You little nigger, you. You black bastard!“). Kein Wunder, dass die Nachkommen jener schwarzen Brüder und Schwestern noch Jahre später aus den Ghettos schwärmten und ’Fuck tha Police!’ riefen.
Leute, das ist die Rache der farbigen Mitbürger für jahrelange Unterdrückung, die Blackface Minstrel Shows und ’Onkel Toms Hütte’.

Mad Scientist with a dream
Sicherlich ist das auf eine gewisse Art moralisch verwerflich, furchtbar stereotyp und letztlich mindestens genau so rassistisch, wie Nazi Nico vom Kiosk um die Ecke. Aber wisst ihr was? Solange ein schmissiger Exploiter mit heißen Funk-Tunes und jeder Menge Drisch-die-Kuh dabei rum kommt, bin ich der letzte der die ’Künstlerischer Bankrott!’-Karte zückt. Jetzt, da wir das geklärt haben, stellt sich die Frage, welche Entschuldigung dann ’Abar, the first black Superman’ hat.
Nach ellenlangen Konversationen über das Für und Wider eventueller Gewaltanwendungen, nachbarschaftlichen Schikanen und weiterem Pro/Contra-Haudrauf-Gelaber, erhält der titelgebende Superman endlich seine Superkräfte. ASS WHOOPIN’, BITCHES! Ähm, nee, nicht ganz. Denn die Kräfte sind rein psychotronischer Natur. Will sagen: Abar tritt nicht Ärsche, er schaut sie an. Und dann tritt eine geheimnisvolle Kraft. Nicht wirklich spektakulär, aber ganz amüsant, wie Abar weiße Bullen aufeinander hetzt, Nutten ihre Luden verprügeln lässt und die Spaghetti seiner Nachbarn in Würmer verwandelt. Leider passiert das erst schlappe 15 Minuten vor Ende des Films. Und das geht so nicht. Nicht bei einem Film, der sich ’The First Black Superman’ ruft!
Ein Film, dessen Darsteller sich reichlich mühen, jedoch nie über Schultheater-Niveau hinauskommen. Der zwar mit einer positiven Message und sinnvollen Anmerkungen (“And as soon this man got his money from the black people, he took it to spend it in the white neighbourhood.“) auftrumpfen kann, gleichzeitig jedoch in schwerfälligen Dialogen, seltsamer Jesus-Symbolik und ’Martin Luther King’-Voice Over(kill) versinkt, während eine auf Saxophon getrimmte Blaxploiter-Variante des ’James Bond’-Themas bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus den Lautsprechern plärrt.

Wenn Abar anfängt zu starren wird’s ungemütlich. Watch out, Pimps & Spaghetti Fans!

Hier kreuzen sich Klischee-Keule und moralischer Dampfhammer und die vom Titel und Cover versprochene Exploitation bleibt vollkommen fern (mit Ausnahme einer Szene, in der testweise eine Ladung Blei auf einen unbezwingbaren Laborhasen gefeuert wird. Yay!). ‘Abar, the first black superman’ really isn’t. Uff jut deutsch: Dat funktioniert so nich.


Hudson